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Die Aktionsanalytische Organisation (AAO), auch als AA-Kommune, Muehl-Kommune oder Friedrichshof-Gruppen bezeichnet, war eine, etwa 1970 aus einer Wohngemeinschaft entstandene Kommune, die von dem Aktionskünstler Otto Muehl gegründet wurde. Sie umfasste in ihrer Blütezeit bis zu 600 Mitglieder. Die Organisation war umstritten und wurde von den christlichen Kirchen sowie den Autoren Nordhausen und von Billerbeck als Psychosekte bezeichnet. Die AAO selbst verstand sich als nicht religiös, sie bezeichnete ihre Prinzipien als "neuen Humanismus".

Otto Mühl wurde 1991 wegen schweren sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung von Unmündigen zu 7 Jahren Haft verurteilt.

Grundlagen Bearbeiten

Muehls Wiener Kommune war zunächst eine unter vielen. Im Sommer 1972 begann Muehl, Sprechstunden für die Mitglieder einzurichten und nannte diese Behandlung alsbald "Aktionsanalyse". Theoretische Grundlage der nun entstandenen AAO waren eine postulierte Rückkehr zur Natur und freien Liebe. Weitere theoretische Grundlagen waren eine Mischung aus Thesen von Jean-Jacques Rousseau, dem Marxismus, Wilhelm Reichs "Charakterpanzer-Theorie", Psychodrama, der Urschrei-Theorie von Arthur Janov und den Parolen der 1968er linken Studentenbewegung zur Befreiung der Sexualität.

Die gesellschaftlichen Zustände wurden von der AAO auf die schädlichen Auswirkungen des Lebens in Kleinfamilien zurückgeführt. Die so entstandene Charakterpanzerung sollte aufgebrochen werden, indem in einer Art Schauspiel, innerhalb der Kommune "Selbstdarstellung" genannt, alle Angst-, Scham- und Ekelgefühle sowie Tabus radikal zu durchbrechen waren. Das sollte zu einer Art "Wiedergeburt" führen und zu einem höheren Bewusstsein ("AA-Bewusstsein"). Ziel war ein neues Gesellschaftsmodell, das weltweit eingeführt werden sollte.

Nach Ansicht von Kritikern war die AAO dagegen eine autoritäre Organisation mit uneinlösbaren Heilsversprechen, verkürzten Antworten auf komplexe Probleme, welche immer wieder auf einen zu repressiven Umgang mit Sexualität zurückgeführt werden, einer extremen Abgeschlossenheit gegen Kritik und Zweifel, elitären und teilweise endzeitlichen Vorstellungen, und einer sehr starken Konzentration auf einzelne Personen als Führer und Vordenker, was zu kontroversen und teils sehr kritischen Bewertungen f+hrte (Siehe z.B. Frank Nordhausen, Liane von Billerbeck Psycho-Sekten. Die Praktiken der Seelenfänger. CH. Links Verlag 1997 ISBN3-86153-135-6, auszugsweise online: http://www.agpf.de/ZEGG+AAO-Nordhausen+Billerbeck.htm).

Die AAO in den 1970er Jahren Bearbeiten

AAO-Teams traten in den 1970er Jahren an verschiedenen deutschen Universitäten auf, um Werbung für ihre Sache zu machen. Man erkannte die Mitglieder sofort an ihrer Einheitskleidung, nämlich Latzhose und kurz geschnittenen Haaren, was zu dieser Zeit bei jungen Menschen sehr ungewöhnlich war.

Wesentliche Grundlage der AAO war neben der freien, gemeinsamen Sexualität auch die Abschaffung des Privateigentums. Es sollte nur noch gemeinsamen Besitz geben. Deshalb hatten die Mitglieder ihr gesamtes Vermögen der Gemeinschaft zuzuführen. Ab 1974 wurde die Zentrale Friedrichshof bei Neusiedl am See errichtet. Hier wurden in den folgenden Jahren mehrere Kinder geboren, die als gemeinsame Kinder galten. In vielen anderen Städten kam es zu Niederlassungen, deren wirtschaftliche Grundlage Handwerksbetriebe waren und den Erlös gemeinsam verwalteten. Für jedes Mitglied bestand Arbeitspflicht in den eigenen Wirtschaftsbetrieben. Die AAO betrieb ein Landwirtschaft, führte Entrümpelungen durch und unterhielt Läden und Cafes. Es gab auch ein eigenes Unternehmen für die Literaturproduktion.

Niedergang Bearbeiten

Mit der Wiedereinführung des Privateigentums zeigten sich nach und nach Tendenzen zur Verbürgerlichung der AAO. Bereits 1978 wurde Privateigentum in beschränktem Maße wieder zugelassen, indem jedem Mitglied ein eigener Verfügungsbetrag zugestanden wurde. 1979 wurde das Prinzip des Gemeinschaftseigentums für beendet erklärt. Auch die Einheitskleidung verschwand. Die Bewegung verlor an Elan, und viele Mitglieder kehrten ihr den Rücken. (Schlothauer, S. 126). Otto Muehl, der immer mehr in den Hintergrund zu treten schien, wagte schließlich 1986 den totalen Neuanfang: Mit etwa 200 Getreuen wanderte er auf die Kanareninsel La Gomera aus. Er brach mit dem bisherigen Prinzip der gemeinsamen Sexualität und erklärte Claudia Weissensteiner zu seiner "ersten" Frau und ihren Sohn zu seinem künftigen Nachfolger. In der Art eines Patriarchen regierte er sein zerbröckelndes "Reich", bis er vor einem österreichischen Gericht angeklagt wurde.

Auflösung Bearbeiten

Otto Muehl, Gründer und Oberhaupt der Gruppe, wurde am 13. November 1991 in Eisenstadt im österreichischen Burgenland zu 7 Jahren Haft verurteilt.

Anklagepunkte waren die Praktiken in seiner Organisation, Unzucht und Beischlaf mit Unmündigen, Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses und diverse Drogendelikte. Muehl gab die Beschuldigungen größtenteils zu; Nach einer späteren Aussagen von Muehl, die im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, waren viele Mitglieder der AAO an sexuellem Missbrauch beteiligt (Bericht des Bayerischen Fernsehens am 6. Mrz 2004 in der Kultursendung "Capriccio": http://www.agpf.de/AAO.htm), wozu unterschiedliche Berichte existieren

(Schlothauer, Die Diktatur der Freien Sexualität:

"Ein weiterer Schock war für die pubertierenden Jungen und Mädchen ab 12, 13, 14 Jahren, daß kein sanfter, liebevoller, selbst bestimmter Einstieg in die Welt der Sexualität erfolgte, sondern daß Mühl und seine Frau die Jugendlichen persönlich in die freie Sexualität einführten."

Die starke Gegenwehr - vor allem von einigen Mädchen - versuchte Mühl durch Druck zu brechen., Siehe auch Schlothauer, S. 111, S. 126,

Rüdiger Paulsen, Hans und Susan Schroeder-Rozelle, und Elke und Ulf von Sparre:

"Otto Muehl hat nach neustem Wissensstand bereits in den 70er Jahren begonnen, Kleinkinder ab dem 4. - 5. Lebensjahr über viele Jahre hinweg regelmäßig sexuell zu missbrauchen. Dieser Missbrauch fand sogar teilweise im Beisein seiner kleinen Führungsgruppe statt und wurde im Prozess 1991 nicht thematisiert."

Siehe auch Bericht im Spiegel 10/2004 vom 1.3.2004: http://www.agpf.de/AAO.htm)

Im Anschluss an die Verurteilung löste die Gruppe sich auf. Das ehemalige Mitglied Andreas Schlothauer - der aber selbst an dieser Entwicklung als langjähriges Mitglied beteiligt war - stellte die Veränderung der Gruppe, zu der es zahlreiche Aufzeichnungen gibt, in einem 1992 erschienenen Buch detailliert dar.

Die AAO hat spätere Kommune-Experimente mitgeprägt. Dieter Duhm, Gründer des ZEGG, entnahm nach eigener Aussage hieraus "erste Inspirationen". Anderen Quellen zufolge wurde das erste Konzept des ZEGG innerhalb der AAO entwickelt (Andreas Schlothauer, Die Diktatur der freien Sexualität. AAO, Mühl-Kommune, Friedrichshof: "Die linken Intellektuellen in der AAO erhielten mehr Freiraum, um ihre Ideen zu entwickeln. Dieter Duhm und Aike Blechschmidt entwarfen gemeinsam das Konzept eines "Zentrums für experimentelle Gesellschafts-Gestaltung" (ZEGG)."). Duhm, der später das sogenannte "Heilungsbiotop I? in Tamera/Südportugal mitgründete, bestreitet den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Muehl. ( Ausführlich dargestellt unter http://www.report.de, und neben zahlreichen Aussagen und dem Geständnis Mühls zum Teil auch durch Filmdokumente belegt bis heute).

Muehl wurde 1997 aus der Haft entlassen. Elemente der AAO leben in verschieden Neugründungen weiter, vor allem der ZEGG oder auch einer kleinen Gruppe um Muehl selbst.

Zitate Bearbeiten

"Wer den Krieg abschaffen will, muß zuerst die Kleinfamilie beseitigen."
(Otto Mühl, nach Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck, Psycho-Sekten, Seite 187.)

Literatur Bearbeiten

  • Frank Nordhausen/Liane von Billerbeck, Psycho-Sekten - die Praktiken der Seelenfänger, Fischer Verlag, ISBN 3596142407 (Online verfügbarer Abschnitt zur AAO ab S. 183)
  • Hermann Klinger, AAO : KO oder Wie wir uns die Befreiung nicht vorstellen, ohne Ort, ohne Jahr
  • Andreas Schlothauer, Die Diktatur der freien Sexualität. AAO, Mühl-Kommune, FriedrichshofVerlag für Gesellschaftskritik, Wien 1992, ISBN 3-85115-157-7,
  • Handbuch Religiöse Gemeinschaften, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 2. Aufl. 1979, ISBN 3-579-03585-1
  • Peter Stoeckl: Kommune und Ritual. Das Scheitern einer utopischen Gemeinschaft. Frankfurt a.M. / New York 1994. Campus-Verlag (Untersuchung der Kommune und ihrer Entwicklung. Enthält Berichte von Mitgliedern der Kommune. Soziologische Dissertation.)

Weblinks Bearbeiten

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