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Alfred Herrhausen

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Alfred Herrhausen (* 30. Januar 1930 in Essen; † 30. November 1989 in Bad Homburg vor der Höhe) war ein deutscher Bankmanager und Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Er nahm an mehreren Bilderberg-Konferenzen teil ('82, '88, '89) und war Mitglied der Atlantik-Brücke e.V..

Am 30. November 1989 wurde Alfred Herrhausen durch einen Bombenanschlag ermordet.

ErmordungBearbeiten

AblaufBearbeiten

Am Morgen des 30. November 1989 verließ Herrhausen sein Haus im Ellerhöhweg in Bad Homburg, um mit seinem Dienstwagen zur Arbeit zu fahren. Etwa drei Minuten später detonierte auf Höhe des Seedammweges vor einem Parkhaus eine Bombe, die sich an einem präparierten Fahrrad am Straßenrand befand. Herrhausen kam bei dem Attentat ums Leben, sein Chauffeur wurde nur leicht verletzt.

Die Bombe befand sich in einem Paket von der Größe einer Schultasche auf dem Gepäckträger des Fahrrads. Sie war als Hohlladungsmine konstruiert, einer in panzerbrechenden Waffen verwendeten Technologie. Als das Auto durch eine vorher installierte Lichtschranke fuhr, explodierte eine TNT-Ladung, deren zielgerichtete Druckwelle genau auf die hintere Seitentür des gepanzerten Mercedes S-Klasse traf. Ein dadurch abgesprengtes Teil der Türverkleidung trat in den Oberschenkel von Herrhausen ein und verletzte die Schlagader.

Seine in dem unbeschädigten Begleitfahrzeug folgenden Personenschützer ergriffen keine Maßnahmen zur ersten Hilfe, Herrhausen blieb bewusstlos in dem Autowrack liegen und starb innerhalb weniger Minuten an starkem Blutverlust.

Als Begründung für die unterbliebenen Hilfsmaßnahmen wurde später auf die Möglichkeit einer Attacke der Attentäter oder einer zweiten Bombe verwiesen. Augenzeugen bestätigen, dass sich wohl aus diesem Grunde längere Zeit niemand an das Fahrzeug Herrhausens heranwagte. (vgl. Hanns-Martin Schleyer)

TäterschaftBearbeiten

Der oder die Urheber für das Attentat konnten nie ermittelt werden.

Eine solche Aktion erforderte mindestens zwei Personen, nämlich einen Beobachter, der die Annäherung des Herrhausen-Konvois meldete, und eine zweite Person, die zielgenau die Lichtschranke in Betrieb setzte.

Die als Baustelle getarnten Arbeiten, bei denen man die Kabel für die Lichtschranke verlegte (sie waren allerdings nur von kurzer Dauer, wobei nach Angaben von Augenzeugen jedoch nach ihrer Beendigung das Baustellenschild vergessen wurde und wochenlang am Rand der Fahrbahn stand).

RAFBearbeiten

Am 2. Dezember 1989 fand man ein Bekennerschreiben der Rote Armee Fraktion, das bis heute den einzigen Hinweis auf die Täter liefert.

BekennerschreibenBearbeiten
Erklärung vom 2. Dezember 1989
"Die revolutionären Prozesse sind die Erfahrungen, die aus der Agonie zwischen Leben und Tod heraus, hin zu einem entschlossenen Kampf für das Leben geführt werden."
Am 30. 11. 1989 haben wir mit dem Kommando Wolfgang Beer den Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, hingerichtet, mit einer selbstgebauten Hohlladungsmine haben wir seinen gepanzerten Mercedes gesprengt.
Durch die Geschichte der Deutschen Bank zieht sich die Blutspur zweier Weltkriege und millionenfacher Ausbeutung, und in dieser Kontinuität regierte Herrhausen an der Spitze dieses Machtzentrums der deutschen Wirtschaft; er war der mächtigste Wirtschaftsführer in Europa.
Deutsche Bank, das ist quer durch Westeuropa und in weiten Teilen der Welt zum Symbol für die Macht und Herrschaft geworden, die Überall frontal mit den fundamentalen Interessen der Menschen nach einem Leben in Würde und Selbstbestimmung zusammenstößt. Unter Herrhausens Regie hat sich die Deutsche Bank zur europaweit größten Bank aufgeschwungen und dominiert die wirtschaftliche und politische Entwicklung. Sie hat ihr Netz über ganz Westeuropa geworfen und steht an der Spitze der faschistischen Kapitalstruktur, gegen die sich jeder Widerstand durchsetzen muß.
Seit Jahren bereitet sie den Einbruch in die Länder Osteuropas vor, jetzt steht sie und andere lauernd in den Startlöchern, um auch die Menschen dort wieder dem Diktat und der Logik kapitalistischer Ausbeutung zu unterwerfen.
Herrhausens Pläne gegen die Länder im Trikont, die selbst in "linksintellektuellen" Kreisen als humanitäre Fortschrittskonzepte gepriesen werden, sind nichts anderes als der Versuch, die bestehenden Herrschafts- und Ausplünderungsverhältnisse längerfristig zu sichern; sie verlängern und verschärfen noch weiter die Leiden der Völker.
Es ist weltweit eine destruktive Entwicklung, die der Imperialismus zur Sicherung seiner Profit- und Machtpositionen produziert: Völkermord, Hunger, Erniedrigung, Existenzunsicherheit und umfassende Zerstörung schafft eine im Kern einheitliche Situation, die überall existentielle Dimensionen angenommen hat, nirgends können die Menschen wirklich nach ihren eigenen Vorstellungen und Werten leben. Aber die Akteure dieses Systems müssen wissen, daß ihre Verbrechen ihnen erbitterte Feinde geschaffen haben, daß es für sie keinen Platz geben wird in der Welt, an dem sie vor den Angriffen revolutionärer Guerillaeinheiten sicher sein können.
Wir alle, die gesamte revolutionäre Bewegung in Westeuropa, stehen vor einem neuen Abschnitt.
Die völlig veränderte internationale Situation und die ganzen neuen Entwicklungen hier erfordern, daß der gesamte revolutionäre Prozeß neu bestimmt und auf neuer Grundlage weiterentwickelt werden muß.
Daran arbeiten wir, und daran wollen wir die Diskussion mit allen, die Schluß machen wollen mit der imperialistischen Zerstörung und die für eine grundsätzlich andere, an den Menschen orientierte gesellschaftliche Realität kämpfen, und die diese Auseinandersetzung mit uns wollen.
Neuer Abschnitt, das heißt für hier vor allem auch die Neuzusammensetzung der revolutionären Bewegung, was möglich ist, weil viele es wollen, und es gibt die ersten Schritte dahin schon. Wir stellen uns das vor als einen Prozeß von gemeinsamer Diskussion und Praxis, in dem offen über die verschiedenen Erfahrungen, Vorstellungen und Kritiken geredet wird, um die gesamte Entwicklung zusammen zu begreifen und um zu politischen Bestimmungen und konkreten greifbaren Vorstellungen für den Umwälzungsprozeß zu kommen.
In der Diskussion darüber müssen die Gefangenen Teil sein, dafür, und weil das Vernichtungsprojekt gegen sie endlich gestoppt werden muß, muß jetzt ihre Zusammenlegung und damit die Perspektive für ihre Freiheit erkämpft werden.
In dieser neuen Phase müssen wir es schaffen, die vielfältige und unterschiedliche revolutionäre Praxis in einer Orientierung gegen das System zu verbinden. Der revolutionäre Prozeß braucht neue Dynamik und produktive Wechselbeziehungen, nur zusammen können die Kämpfe die nötige Kraft entwickeln, um destruktive Entwicklungen des Imperialismus zu stoppen und überhaupt seine ganze zerstörerische Entwicklungsrichtung umzudrehen - nur zusammen, also als eine Front gegen den Imperialismus, können wir hier in Westeuropa gemeinsam mit den Befreiungskämpfen weltweit einen einheitlichen, internationalen und langandauernden Umwälzungsprozeß durchsetzen.
Zusammen kämpfen!
Kommando Wolfgang Beer
Kronzeuge Siegfried NonneBearbeiten
AussageBearbeiten

Am 21. Januar 1992 wurde der gelegentliche V-Mann des hessischen Verfassungsschutzes Siegfried Nonne als Kronzeuge von den Ermittlungsbehörden präsentiert. Mit seiner Aussage belastete er sich selbst, Christoph Seidler, Andrea Klump sowie zwei weitere ihm nur als Stefan und Peter bekannte Männer.

Diese vier Terroristen hätten laut ihm längere Zeit in seiner Wohnung in Bad Homburg gelebt. Er selbst sei an der Planung beteiligt gewesen sein. In Nonnes Keller wurden Sprengstoffspuren gefunden, allerdings von anderen Substanzen (2,4-Dinitrotoluol, 2,4-Dinitroethylbenzol und Spuren von Nitroglycerin) als dem beim Anschlag verwendeten Trinitrotoluol (TNT)

Der Generalbundesanwalt erließ auf dieser Grundlage Haftbefehle gegen Christoph Seidler und Andrea Klump.

Widerruf und Zweifel an GlaubwürdigkeitBearbeiten

In einer Sendung des WDR-Magazins Monitor vom 1. Juli 1992 widerrief Nonne vor laufender Kamera seine gesamte Aussage und gab an vom hessischen Verfassungsschutz zu seiner Aussage mit Drohungen genötigt worden zu sein.

In Folge wurden einige Dinge über Nonne bekannt die seine Aussagen als Zweifelhaft erscheinen lassen: Nonne war mehrfach in psychiatrischer Behandlung gewesen, litt unter Alkohol- und Drogenproblemen.

Erst vier Tage vor seiner Aussage soll er aus der Psychiatrie entlassen worden sein, in die er zuvor mit der Diagnose "Länger anhaltende depressive Reaktion mit suizidalen Gedanken, Polytoxikomanie inklusive Morphin, Persönlichkeitsstörung auf Borderline-Niveau" eingeliefert worden war.

Dennoch wurde Nonnes erste Aussage von behördlichen Gutachtern als glaubwürdig erachtet, weswegen die Behörden grade den Widerruf als unglaubwürdig betrachteten. Ganz verzwickt wurde die Situation als Nonne seinen Widerruf widerrief, mit der Begründung das er diesmal von Monitor-Journalisten zu dem ersten Widerruf genötigt wurde.

Die Behörden blieben dennoch bei ihrer Auffassung das Nonnes erste Aussage die richtige war. Auf Grundlage der Kronzeugenregelung wurde 1994 das verfahren gegen Nonne eingestellt.

Aufhebung der HaftbefehleBearbeiten

1996 stellte sich der Tatverdächtige Seidler den Behörden und präsentierte für die Tatzeit ein Alibi, woraufhin der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben wurde. Als deswegen eine Beschwerde beim Generalbundesanwalt einging, wurde diese mit verweis auf die Unglaubwürdigkeit des Kronzeugen Nonne abgelehnt. Seidler wurde daraufhin auch vom Vorwurf der RAF-Mitgliedschaft entlastet. Andrea Klump, die zweite von Nonne belastete Person, saß wegen anderer terroristischer Vergehen ein, 2001 wurde der Vorwurf der RAF-Mitgliedschaft fallengelassen, erst 2004 wurden die Ermittlungen gegen sie im Fall Herrhausen wegen Mangels an Beweisen eingestellt.

KritikBearbeiten

Besonders der Umgang mit der Aussage von Siegfried Nonne lässt die Ergebnisse der Bundesbehörden als zweifelhaft erscheinen.

Kritiker der RAF-Therorie verweisen darauf, dass der große materielle und technische Aufwand sowie der Einsatz einer Bombe militärischer Bauart mit dem Sprengstoff TNT der bisherigen Vorgehensweise der RAF widersprächen.

Auch wäre ein Anschlag gegen Herrhausen unlogisch, da grade dieser sich durch den von ihm angestrebten Schuldenerlass für Länder der Dritten Welt bei der Linken-Szene einigermaßen beliebt gemacht hätte.

Siehe auch: Das RAF-Phantom

Verdachtsmomente gegen BehördenBearbeiten

Die auffälligen Vorbereitungen zu dem präzise geplanten Anschlag war weder der Polizei noch dem Bundeskriminalamt verdächtig vorgekommen, obwohl Herrhausen offiziell zum Kreis der am stärksten gefährdeten Personen in der Bundesrepublik gehörte und die Umgebung seines Hauses ständig überwacht wurde. Zu den Ungereimtheiten des Falles zählt auch, dass das normalerweise eingesetzte vorausfahrende zweite Begleitfahrzeug laut des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Dr. Richard Meier kurz vor dem Attentat abgezogen worden war. Es gibt allerdings auch andere Darstellungen, nachdem das vordere Fahrzeug nur weit vorausfuhr.

Unbeliebte Politik HerrhausensBearbeiten

Herrhausens Politik im Unternehmen und als Banker war nicht unumstritten und hatte auch einige Gegner, unter denen mancher die Täter hinter dem Anschlag vermutet.

Herrhausen setzte sich für einen Schuldenerlass für Dritte Weltländer ein, dies allerdings vermutlich auch aus Eigeninterressen der Deutschen Bank, denn ein Schuldenerlass hätte insbesondere amerikanischen Banken bankrott gehen lassen, während die Deutsche Bank mit 50%-Rücklagen eher glimpflich davon gekommen wäre.

Nach der Vorstellung dieser Idee vor Mitgliedern amerikanischer Banken, die dieser Schuldenerlass in massive Schwierigkeiten gebracht hätte, wurde er auf der Weltbankkonferenz massiv bedroht, so dass Herrhausen auf dieser Konferenz sogar eine schusssichere Weste trug, was er sonst nie tat.

Kurz vor seinem Tod setzte sich Herrhausen für eine komplette Umstrukturierung der Deutschen Bank ein. Zwei Tage vor seiner Ermordung soll Herrhausen aufgrund der daraus resultierenden inneren Streitigkeiten intern seinen Rücktritt erklärt haben. Laut Aussage seiner Frau Traudl sollte am Tag seiner Ermordung auf einer Vorstandssitzung über seine Pläne entschieden werden.

LiteraturBearbeiten

  • Andres Veiel: Black Box BRD. Fischer, Frankfurt 2004. ISBN 3-59615-985-7
  • Andres Veiel: Black Box BRD - Dokumentarfilm
  • Gerhard Wisnewski, Wolfgang Landgraeber, Ekkehard Sieker: Das RAF-Phantom - Wozu Politik und Wirtschaft Terroristen brauchen, Droemer Knaur 1992, ISBN 3-42680-010-1.

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