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Ariosophie war die Bezeichnung, die Jörg Lanz von Liebenfels seit ca. 1915 für seine okkultistische und rassistische Lehre benutzte. In der maßgeblichen Studie zu diesem Thema wird „Ariosophie“ als Sammelbegriff für die Lehren von Guido von List, Lanz von Liebenfels und ihrer Anhänger benutzt, die innerhalb der Völkischen Bewegung verbreitet waren.

Lehre Bearbeiten

Die Ariosophie verknüpft einige theosophische Gedanken der Helena Petrovna Blavatsky über Kosmologie, Symbolik und menschliche Evolution (Wurzelrassen) mit den Rassentheorien von Arthur de Gobineau und okkultem Runenglauben. Dabei werden Teile des Gedankenguts Blavatskys von ihrer zentralen Hauptlehre abgetrennt, welche die Begründung der „Bruderschaft der Menschheit ohne Unterschied der Rasse“ als unabänderliches Ziel anstrebt und die Höherentwicklung der Menschheit in der Verschmelzung aller Rassen sieht. Die Ariosophie erstrebt im radikalen Gegensatz dazu die Höherentwicklung der Menschheit durch eine Art „aristokratische“ Rassentrennung und postuliert eine Rassenhierarchie okkulten Ursprungs, welche durch biologische Züchtung und mystische Entwicklung ausgebaut werden soll.

Guido von List versuchte mit seinen ariosophischen Lehren eine kulturelle Neugeburt der alten germanischen Religion zu erzeugen und begründete hierfür die Guido-v.-List-Gesellschaft. Ihr innerer, esoterischer Kreis war der „Hohe Armanenorden“. Er schuf ein spirituelles System kreativer Ausdeutungen alter vorchristlicher Überlieferungen, und berief sich hierbei auf eine Form mystischer Erkenntnis, die er „Erberinnern“ nannte. Zentrale Aussage ist das Postulat einer „arischen Urrasse“ in Nordeuropa. Unter allen Rassen sei sie die am höchsten entwickelte gewesen. Da im völkischen Umfeld die Zugehörigkeit zu einem Volk vorwiegend über rassische Merkmale definiert war, folgt daraus auch die Überlegenheit der Nachkommen dieser Urrasse – Indogermanen/Indoeuropäer/Arier und davon besonders Germanen im Allgemeinen, Deutsche im Speziellen – über alle anderen Völker. List-Anhänger lehnten und lehnen einen Teil der Konzepte des Lanz von Liebenfels und insbesondere der NS-Ideologie ab.

Lanz von Liebenfels verknüpfte seinen rassistischen Extremismus mit seiner Idee eines „arischen Christentums“ und stellte dann den Kampf der Arier gegen die „Niederrassen“ in den Vordergrund. Ganz konkret ging es ihm um die Verhinderung von Rassenmischung und der aus dieser Vermischung resultierenden Schwächung der „arischen Heldenrasse“. Um dies zu verhindern, schlug er weitreichende Zuchtprogramme für Arier und Sterilisationsmaßnahmen für minderwertige Rassen vor. Liebenfels deutete die Bücher der Bibel und die Geschichte des Christentums auf obskure Art in Zeugnisse eines angeblichen Rassenkampfes um.

Zu den ariosophischen Organisationen gehörte auch der Neutempler-Orden.

Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus Bearbeiten

Von der Ariosophie war die Ideologie der von Rudolf von Sebottendorf am Ende des Ersten Weltkriegs 1917/18 gegründeten Thule-Gesellschaft geprägt. Auch Karl Maria Wiligut, der seit 1933 Mitglied der SS war, bezog sich deutlich auf ariosophische Konzepte. Das historische Interesse an der Ariosophie rührt daher, dass sie in Beziehung zu den Ursprüngen und der Ideologie des Nationalsozialismus steht. Nicht ohne Grund heißen Werke zu dem Thema Ariosophie:

  • Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus (zuerst publiziert auf Englisch im Jahr 1985)
  • Die Gnosis und der Nationalsozialismus (enthält unter anderem einen detaillierten Vergleich von Hitlers Mein Kampf und Lanz' Theozoologie)

Nicholas Goodrick-Clarke, der Autor des Buches Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, kommt zu dem Schluss, dass die Ariosophie die Nazi-Ideologie antizipiert hat. Insgesamt ist sie aber eher ein Symptom als eine historische Beeinflussung des Nazismus. H. T. Hakl spezifiziert dies in dem Vorwort der deutschen Ausgabe des Buches von Goodrick-Clarke folgendermaßen: „Mag es auch (...) keinen direkten kausalen Konnex von der Ariosophie zur realen Organisation des Dritten Reiches gegeben haben, so hat sie doch einen wichtigen mythenbildenden und wahrscheinlich bis jetzt unterschätzen Anteil an den damaligen politischen Phantasien, die sich unmittelbar in einem Wahn des Auserwähltseins sowie des Für-Wahr-Haltens von Verschwörungsvorstellungen und damit auch in daraus folgenden politischen Aktionen niederschlug.“

Wiederaufleben nach 1945 Bearbeiten

Ariosophische Ideen lebten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in verschiedenen neugermanischen Gruppen wieder auf, so zum Beispiel im 1976 von Adolf Schleipfer und seiner Frau wiederbegründeten Armanenorden, in der Artgemeinschaft von Jürgen Rieger oder auch in der Arbeit Manfred Dimdes.

Literatur Bearbeiten

  • Nicholas Goodrick-Clarke: The Occult Roots of Nazism. The Ariosophists of Austria and Germany 1890–1935. London 1985; deutsch: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. Leopold Stocker Verlag, Graz 1997 ISBN 3-7020-0795-4 (2. Auflage 2000), ISBN 3937715487 (3. Auflage, Marix-Verlag, Wiesbaden 2004)
  • H.-J. Glowka: Deutsche Okkultgruppen 1875-1937. Hiram Edition 12, München 1981.
  • H. T. Hakl: Vorwort und Nationalsozialismus und Okkultismus. In: Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. 1997 (oder 2004?), S. 7–9 sowie S. 194–217.
  • Franz Wegener: Weishaar und der Geheimbund der Guoten. Ariosophie und Kabbala, Gladbeck 2005, ISBN 3-931300-17-X
  • Harald Strohm: Die Gnosis und der Nationalsozialismus. Suhrkamp, 1997. Überarbeitete Neuauflage: Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2005. ISBN 3-932710-68-1

Weblinks Bearbeiten

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