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Befreiungsausschuss Südtirol

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Der Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) war eine Mitte der 1950er von Sepp Kerschbaumer und 7 Mitstreitern gegründete terroristische Organisation, die durch Anschläge auf staatliche Symbole die Sezession der Autonomen Provinz Bozen von Italien erkämpfen wollte. Zu Beginn war das oberste Gebot, dass sich die Anschläge nicht gegen Menschen richten sollten. Bevorzugtes Ziel waren daher Strommasten sowie faschistische Denkmäler. Ungeplant wurde jedoch der Straßenwärter Giovanni Postal getötet, als er eine nicht explodierte Bombe fand. Die zweite Phase war deutlich brutaler, da sie gezielt auf die Tötung von Menschen ausgerichtet war.

Das Ziel der Anschläge war die Rückkehr Südtirols zu Österreich und somit die Wiedervereinigung Tirols.

Vom italienischen Staat wurde der BAS als „terroristische und separatistische Bedrohung“, von großen Teilen der einheimischen Bevölkerung jedoch als Freiheitskämpfer gesehen. In Tirol und Südtirol wurden die BAS-Mitglieder verharmlosend als "Bumser" bezeichnet, ein Spitzname, welcher sich von den Bombenexplosionen ableitete.

Mitglieder Bearbeiten

Gründungsmitglieder Bearbeiten

Weitere Mitglieder Bearbeiten

Geschehnisse Bearbeiten

Nach einigen Flugblattaktionen (u. a. auf Schloss Sigmundskron), die von Sepp Kerschbaumer organisiert wurden, wurde ab 1958 Sprengstoff beschafft, teils aus Nordtirol, teils aus Italien. 1959/1960 kam es zu Streitigkeiten zwischen Nord- und Südtiroler Akteuren um die Vorherrschaft im BAS, wobei sich letzten Endes der Südtiroler Teil behaupten konnte.

1. Phase 1956 - 1961 Bearbeiten

Erste Anschläge von BAS-Mitgliedern erfolgten im September 1956. Eine zweite Serie von Anschlägen wurden im Januar 1957 durchgeführt. Mit dem Sprengstoffanschlag am 31. Januar 1961 in Waidbruck trat der BAS zum ersten Mal selbst aktiv in Erscheinung. Dabei wurde das Reiterstandbild Mussolinis, der so genannte Aluminium-Duce, vor dem dortigen Kraftwerk, vermutlich vom österreichischen BAS-Mitglied Heinrich Klier gesprengt.

Danach erfolgte ein Bombenanschlag auf das Haus von Ettore Tolomei in Montan, einer Symbolfigur der Italianisierung, ausgeführt von Josef Fontana.

Den Höhepunkt bildete die Feuernacht in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961. In Bozen und Umgebung wurden hierbei 42 Strommasten gesprengt.

In der so genannten kleinen Feuernacht in der Nacht auf den 13. Juli 1961 wurden acht weitere Strommasten gesprengt, um den Zugverkehr lahm zu legen.

In den folgenden Tagen wurden Sepp Kerschbaumer sowie 150 weitere Mitglieder des BAS verhaftet. Die Inhaftierten klagten über die '"brutale Methoden" der italienischen Polizei. Nach Aussagen der Verhafteten seien sie gefoltert worden. Am 7. Januar 1962 verstarb Anton Gostner in Haft.

Von italienischer Seite wurden die Folterungen dementiert: Man behauptete, die Häftlinge hätten sich die Verletzungen selbst zugefügt. 10 Carabinieri wurden unter Anklage gestellt: 8 davon wurden vom Oberlandesgericht Trient 1963 freigesprochen, 2 fielen unter eine inzwischen erlassene Amnestie.

Am 16. Juli 1964 wurden 35 BAS-Mitglieder im so genannten Mailänder Prozess schuldig gesprochen, hiervon jedoch 13 sofort begnadigt. Weitere 27 angeklagte BAS-Mitglieder wurden freigesprochen.

Die allgemein als milde angesehen Urteile wurden ermöglicht, da der Präsident des Schwurgerichts, Gustavo Simonetti auf Druck der Regierung Aldo Moro die Anklagepunkte "Anschlag auf die Einheit des Staates" und "Anschlag auf die Verfassung" fallen ließ und so der von der Staatsanwaltschaft geforderten Mindeststrafe von Lebenslang die Grundlage entzog.

Sepp Kerschbaumer als Führer des BAS wurde zu 15 Jahren und 11 Monaten Gefängnis verurteilt und verstarb bereits frühzeitig (1964) in italienischer Haft. Norbert Burger, der 1981 in Österreich als Präsidentschaftskandidat für die rechtsextreme NDP antrat, wurde wie drei weitere flüchtige österreichische Angeklagte in Abwesenheit zu jeweils mehr als 20 Jahren verurteilt.

2. Phase 1962 - 1968 Bearbeiten

Mit der kompletten Ausschaltung der Gründergeneration des BAS und einer Annäherung von SVP und der Regierung Aldo Moros radikalisierten sich die verbliebenen Mitglieder des BAS. Neben flüchtigen BAS-Mitgliedern wie Georg Klotz und Luis Amplatz, auf die 1964 ein Mordanschlag verübt wurde, traten nun auch vermehrt neonazistische und pangermanistische Kreise in Erscheinung, denen allen zu eigen war, dass sie das ehemals oberste Gebot, die Schonung von Menschenleben, ins Gegenteil verkehrten und gezielt Mitglieder der staatlichen Organe zu ermorden begannen. Einige Beispiele:

  • 3. September 1964 in Mühlwald bei Taufers wird der Carabiniere Vittorio Tiralongo erschossen.[1]
  • 9. September 1964 werden in Antholz bei einem Überfall 5 Soldaten schwer verletzt.
  • 26. August 1965 in Sexten werden die Carabinieri Palmerio Ariu und Luigi de Gennaro aus 3 Metern Distanz hinterrücks mit 33 Kugeln erschossen.[2]
  • 24. Mai 1966 wird der Zöllner Bruno Bolognese durch eine an der Eingangstür des Schutzhauses am Pfitscher Joch angebrachte Sprengfalle getötet.
  • 25. Juli 1966 werden in St. Martin im Gsieser Tal die Zöllner Salvatore Gabitta und Giuseppe D'Ignoti erschossen
  • 9. September 1966 werden bei einem Bombenanschlag auf der Steinalm der Carabinieri Eriberto Volgger und die Zöllner Martino Cossu und Franco Petrucci getötet.
  • 25. Juni 1967 der blutigste Anschlag: Bei Cima Vallona (ein Berg in der Provinz Belluno, an der Grenze zu Österreich) wird ein Strommast gesprengt, die zum Anschlagsort kommenden Alpini und Carabinieri geraten in ein vom BAS gelegtes Minenfeld. Von den fünf Militärs überlebt nur einer.
  • 30. September 1967 sterben die Polizisten Filippo Foti und Edoardo Martini bei einem Anschlag auf den Zug Innsburck-Trient.

Insgesamt wurden in der zweiten Phase der Attentate 15 Ordnungshüter ermordet.

Bilanz Bearbeiten

In den 32 Jahren der Unruhe vom 20. September 1956 bis zum 30. Oktober 1988 wurden 361 Attentate verübt. 21 Tote (15 Ordnungshüter, 2 Zivilisten und 4 Aktivisten) und 57 Verletzte: (24 unter den italienischen Ordnungshütern, 33 Zivilisten) sind zu beklagen.

Die italienische Gerichtsbarkeit verurteilte 157 Personen: 103 Südtiroler, 40 Österreicher, 14 Deutsche.

Literatur Bearbeiten

Peterlini, H.K.: Südtiroler Bombenjahre. Von Blut und Tränen zum Happy End? Edition Raetia, Bozen 2005.

Weblinks Bearbeiten

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