Fandom

Verschwörungen Wiki

Celler Loch

1.272Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0 Teilen

Als Celler Loch wurde ein Loch bekannt, das am 25. Juli 1978 in die Außenmauer der Justizvollzugsanstalt Celle gesprengt wurde. Der Anschlag war von der niedersächsischen Landesbehörde für Verfassungsschutz fingiert worden. Unter dem Schlagwort Celler Loch wurde auch die sich daraus ergebende Affäre bundesweit bekannt.

Der Verfassungsschutz beabsichtigte, mit diesem Anschlag einen Informanten in die RAF einzuschleusen. Der Anschlag sollte als ein Befreiungsversuch für Sigurd Debus erscheinen, der als mutmaßlicher Terrorist der RAF im Celler Hochsicherheitsgefängnis einsaß.

Als involviert und informiert gelten der niedersächsische Verfassungsschutz, die auf Anforderung beim BGS tätig gewordene GSG9, die Landesregierung sowie die Anstaltsleitung. Das Bundesinnenministerium - als vorgesetzte Behörde der GSG9 -, das Bundesamt für Verfassungsschutz, die Bundesregierung und die Landespolizei sollen vorab nicht informiert worden sein.

Vorbereitung und Durchführung Bearbeiten

Der Verfassungsschutz präparierte einen gestohlenen Mercedes SL mit Munition und gefälschten Pässen, darunter auch ein Pass mit dem Foto von Debus. Vordrucke und Dienstsiegel stammten aus Einbrüchen bei Behörden. Bei der Beschaffung des Autos hatte der Privatagent Werner Mauss mitgewirkt; Fahrer war ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes. Das Auto wurde im Januar bei einer Polizeikontrolle in Salzgitter sichergestellt, der Fahrer entzog sich dabei durch Flucht der Überprüfung.

Zur Durchführung des Anschlags hatte der Verfassungsschutz zwei Kriminelle angeworben, Klaus-Dieter Loudil und Manfred Berger. Loudil wurde später den Medien als Tatverdächtiger präsentiert. Am 25. Juli 1978 wurde die Bombe gezündet und hinterließ nur geringen Sachschaden. Zu einem Ausbruch kam es nicht.

Weiterer Verlauf Bearbeiten

Der Verfassungsschutz hatte Ausbruchswerkzeug in Debus' Zelle schmuggeln lassen, das bei der dem Anschlag folgenden Durchsuchung gefunden wurde und die Tatbeteiligung von Debus beweisen sollte. Als weiterer "Beweis" wurde das so genannte "Dellwo-Papier" veröffentlicht, das von dem RAF-Mitglied Karl-Heinz Dellwo verfasst worden war, der am Anschlag auf die deutsche Botschaft in Stockholm 1975 beteiligt war. In diesem Schreiben wird erklärt, dass "durch Anschläge auf den äußeren Bereich von Vollzugsanstalten" eine "Zusammenlegung einsitzender Terroristen zu Interaktionsgruppen" erreicht werden sollte.

Erwartungsgemäß konnten die Täter jedoch nicht gefasst werden. Verschiedene Personen wurden von den Medien als angebliche Täter ins Gespräch gebracht.

Die bewusst ungerechtfertigten Vorwürfe und damit einhergehenden Verschärfungen der Haftbedingungen führten zu einem Hungerstreik des Häftlings. Anträge auf Hafterleichterungen wurden mit Hinweis auf den Sprengstoffanschlag ausdrücklich abgelehnt. Sigurd Debus starb am 16. April 1981 kurz vor seiner anstehenden Haftentlassung.

Politische Folgen Bearbeiten

1986 wurde bekannt, dass nicht die linksradikale Terroristenszene für den Anschlag verantwortlich war, sondern der Verfassungsschutz und die GSG9, um einen V-Mann in die RAF einzuschleusen. Die von den Medien als Täter vorgestellten Personen waren denn auch V-Männer des Verfassungsschutzes. Ulrich Neufert wurde für seinen Artikel über die Affäre in der Hannoverschen Allgemeine Zeitung 1986 mit dem "Wächterpreis der deutschen Tagespresse" ausgezeichnet.

Daraufhin musste sich die Regierung Ernst Albrecht (CDU) vor einem Untersuchungsausschuss des niedersächsischen Landtags verantworten. In diesem stellte die Regierung Albrecht die Aktion als mindestens achtbaren Erfolg dar (Zugang zu Terrorismus, Ausbruch vereitelt, Waffen gefunden), obwohl diese Behauptungen widerlegt werden konnten.

In diesem und im Zusammenhang mit der Spielbankaffäre trat der Innenminister Wilfried Hasselmann zurück. Damaliger Justizminister war Hans-Dieter Schwind (CDU).

Die Ereignisse wurden 1988 vom Regisseur Herbert Linkesch und Produzent Rudi Reinbold im Dokumentarfilm "Das Celler Loch" verfilmt.

Literatur Bearbeiten

  • Christa Ellersiek, Wolfgang Becker: Das Celler Loch. Die Hintergründe der Aktion Feuerzauber. Verlag am Galgenberg, Hamburg 1987, ISBN 3925387307

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki