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Dunkelgraf

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Dunkelgraf und Dunkelgräfin ist die volkstümliche Bezeichnung für ein geheimnisvolles Paar, das von 1810 bis 1837 auf Schloss Eishausen bei Hildburghausen lebte. Die beiden Bewohner verließen während der gesamten Zeit das Schloss kaum und wenn, dann tief verschleiert. Wegen ihres zurückgezogenen Lebens und ihrer ungeklärten Herkunft und Identität wurden sie im Volksmund "die Dunkelgrafen" genannt.

Nach ungesicherten Spekulationen und überlieferten Gerüchten soll es sich bei der Frau um Marie Thérèse Charlotte, die Tochter des guillotinierten französischen Königs Ludwig XVI. und seiner Frau Marie Antoinette gehandelt haben. Nach einer ungewollten Schwangerschaft soll sie 1795 gegen ihre Halbschwester ausgetauscht worden und unerkannt bei Hildburghausen gelebt haben. Ihr Begleiter soll der Holländer Leonardus Cornelius van der Valck alias Vavel de Versay gewesen sein.

Vorgeschichte Bearbeiten

Marie Thérèse Charlotte von Frankreich erblickte am 19. Dezember 1778 in Versailles als erstes Kind von König Ludwig XVI. von Frankreich und seiner Gemahlin Marie Antoinette von Österreich das Licht der Welt. Sie entwickelte sich rasch zu einem kleinen Mädchen, das an luxuriösen Kinderbällen und teuren Roben gefallen fand. Nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 brach die fürstliche Welt im Versailler Schloss zusammen und als Folge eines missglückten Fluchtversuch wurde die königliche Familie im Temple festgesetzt. Am 21. Januar 1793 wurde ihr Vater und am 16. Oktober des gleichen Jahres ihre Mutter guillotiniert. Die Überlebende Prinzessin wurde zum Spielball der Politik und sollte schließlich 1795 im Austausch für französische Kriegsgefangene der österreichischen Verwandtschaft übergeben werden.

Vertauschungstheorie Bearbeiten

Laut der Vertauschungsthese, die von einigen Historikern vertreten wird, wurde die französische Prinzessin nach ihrer Entlassung aus dem Temple und vor dem geplanten Austausch gegen ihre Halbschwester Ernestine Lambriquet ausgetauscht, so dass diese ihren Platz am Wiener Hof einnehmen konnte. Möglicher Grund ist die Vertuschung eines Skandals, vermutlich einer Schwangerschaft der Madame Royale, die während ihrer Gefangenschaft im Tempel vergewaltigt worden sein soll.

Nach der Vertauschung übernahm die Halbschwester, Ernestine Lambriquet, die offizielle Rolle der Madame Royale. Am 10. Juni 1799 heiratete sie in Mitau, im heutigen Lettland ihren Cousin, den Herzog von Angoulême. Die Hochzeit erfolgte wahrscheinlich auf Wunsch Ludwig XVIII, aber in jedem Fall gegen den Willen Franz II., des zukünftigen Kaisers von Österreich.

Die Zeit als Dunkelgräfin Bearbeiten

Gemäß der Austauschtheorie musste sich die echte Madame Royale nach der Vertauschung verstecken und wurde im Juni 1799 unter den Schutz des holländischen Diplomaten Leonardus Cornelius van der Valck gestellt. Mit ihm zusammen war sie mehrere Jahre auf der Flucht vor Napoleon und soll zunächst in Gotha und Jena und später in verschiedenen anderen deutschen Städten gelebt haben.

Historisch nachgewiesen ist die Ankunft des Paares, das später den Beinamen Dunkelgrafen erhielt, am 7. Februar 1807 in Hildburghausen. Dort verbrachte jenes Grafenpaar die nächsten drei Jahre, bis sie 1810 in das nahe gelegene Schloss Eishausen zogen, welches eine äußerst abgeschiedene Lage bot und das Paar vor eventuellen Blicken der Ortsansässigen schätzte. Die beiden führten dort ein verborgenes und geheimnisvolles Leben, welches ihnen bald die Namen Dunkelgraf und Dunkelgräfin einbrachte. Die Dunkelgräfin starb bereits 1837 im Alter von 59 Jahren. Der Dunkelgraf gab nach ihrem Tod den Namen Sophia Botta an. Der Dunkelgraf lebte bis zu seinem Tod im Jahre 1845 weiterhin abgeschieden im Schloss Eishausen.

Die Austauschtheorie führt das versteckte Leben der Dunkelgrafen auf zwei Gründe zurück. Den historischen Quellen zufolge soll Marie Thérèse Charlotte ihrer Mutter sehr ähnlich gesehen haben. Ein öffentlicher Auftritt wäre nicht möglich gewesen, ohne dass die Ähnlichkeit zur hingerichteten französischen Königin Marie Antoinette aufgefallen wäre. Bis zum Zusammenbruch von Napoleons Reich 1813 hätte dieser ein mutmaßliches Interesse daran gehabt, den Austausch aufzudecken und für seine anti-royalistischen Propagandazwecke zu verwenden. Doch auch nach dem Machtverlust Napoleons sei der Austausch dennoch nicht rückgängig gemacht worden, weil dies die Heirat von Ernestine Lambriquet mit dem Herzog von Angoulême in Frage gestellt hätte.

Gründe, Vermutungen und Beweise Bearbeiten

Als Gründe für einen Austausch werden eine mögliche Schwangerschaft und eine psychische Instabilität der Marie Thérèse Charlotte angenommen. Angeblich - so die Austauschtheorie - war die Madame Royale nach ihrer Gefangenschaft im Temple aufgrund einer Vergewaltigung schwanger. Und weiterhin besteht die Vermutung, dass die französische Prinzessin aufgrund ihrer Gefangenschaft und dem Verlust ihrer Familie psychische Schäden davontrug. Wegen dieser psychischen Verfassung sei sie nicht in der Lage gewesen, die geplante Vermählung mit ihrem Cousin, dem Herzog von Angoulême, einzugehen. Da Ludwig XVIII. aber aus politischen Interessen auf die Heirat bestand, musste eine Dame gefunden werden, die sowohl Ähnlichkeit mit Marie Thérèse Charlotte hatte, als auch die Sitten am französischen Hof kannte.

Verständlicherweise musste der Austausch der beiden Prinzessinnen so geheim wie möglich gehalten werden. Dennoch gab es eine Reihe von Eingeweihten, die von der Vertauschung wussten, da die Substitution sonst zu sehr aufgefallen wäre. So entwickelten sich schon damals nachweislich Gerüchte, die besagten, dass nicht die echte Madame Royale den Platz der Herzogin von Angoulême eingenommen hatte und die Herzogin von Angoulême sogar Schweigegelder an Mitwisser zahlte.

Außer diesen Gerüchten führen die Befürworter der Vertauschungsthese noch weitere Indizien an, die für einen Tausch sprechen. Dies ist zum einen die Tatsache, dass Bildnisse, die vor und nach dem Tausch in Hüningen, gemacht wurden, zwei völlig verschiedene Personen zeigen. Denn zeigen die Bilder vor dem Tausch eine Person mit einer zierlich wirkenden Nase, dann ist auf den später entstandenen Bildern eine Dame mit großer und betonter Nase zu sehen. Ferner sind erhebliche Abweichungen in den Charakterzügen der beiden Personen zu erkennen. Während Madame Royale vor dem Austausch stets als schüchterne und liebevolle Person beschrieben wird, so ist die Herzogin von Angoulême dagegen in Augenzeugenberichten ein schroffer und anteilnahmsloser Typ.

Ein unwiderlegbarer Beweis für den Austausch fehlt bis heute. Die aufgeführten Indizien beruhen auf reinen Spekulationen. Ein DNA-Test soll nun das Geheimnis der Identität der Dunkelgräfin lösen und die Übereinstimmung zwischen Marie Thérèse Charlotte und der geheimnisvollen Frau entweder beweisen oder widerlegen.

Literatur Bearbeiten

  • Richard Boehmker: Das Geheimnis um eine Königstochter. Die Lösung des mehr als 100jährigen Rätsels von Hildburghausen. Helingsche VA, Leipzig 1937
  • Albert Emil Brachvogel: Das Rätsel von Hildburghausen. Verlag Frankenschwelle, Hildburghausen 1990, ISBN 3-86180-015-2
  • Helga Rühle von Lilienstern: Dunkelgraf und Dunkelgräfin im Spiegel vor Zeugen und Mitwissern. Verlag Frankenschwelle, Hildburghausen 2000, ISBN 3-86180-067-5
  • Helga Rühle von Lilienstern: Die Unbekannten von Eishausen. Dunkelgraf und Dunkelgräfin im Spiegel zeitgenössischer Veröffentlichungen. Verlag Frankenschwelle, Hildburghausen 2003, ISBN 3-86180-056-X
  • Helga Rühle von Lilienstern u. Hans-Jürgen Salier: Das große Geheimnis von Hildburghausen. Auf den Spuren der Dunkelgräfin. Salier Verlag, Leipzig u. Hildburghausen 2007, ISBN 978-3-939611-19-6
  • Mark de Lannoy: Das Geheimnis des Dunkelgrafen. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2007, ISBN 978-3833468476
  • Thomas Meyhöfer: Das Rätsel der Dunkelgräfin von Hildburghausen. Bilanz einer 160-jährigen Forschung. (PDF), Interessenkreis Madame Royale, Hildburghausen 2007

Weblinks Bearbeiten

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