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Fritz Ries (* 4. Februar 1907; † 20. Juli 1977 Suizid) war ein Industrieller und königlich marokkanischer Honorar-Konsul.

LebenlaufBearbeiten

StudiumBearbeiten

Fritz Ries wurde am 4. Februar 1907 in Saarbrücken geboren. Nach dem Abitur began er ein Jurastudium an der Universität Köln und wechselte später an die Universität Heidelberg. Hier lernte er in der Studentenverbindung Corps Suevia Heidelberg Hanns Martin Schleyer kennen.

NationalsozialismusBearbeiten

1933 wurde Ries Mitglied der NSDAP und ab 1936 arbeitete er als "Vertrauensmann für besondere Angelegenheiten" für die Gestapo.

Seit 1934 war Dr. Fritz Ries persönlich haftender Gesellschafter für Flügel & Polter, einer Gummiwarenfabrik in Leipzig, welcher er mit Hilfe seines Schwiegervaters 1937 übernahm. Durch "Arisierung" (Enteignung von Juden) und "übernahmen"(etwa von betrieben im annektierten Polen) baute er den 120-Mann-Betrieb schnell zu einem Konzern mit 10000 Beschäftigten aus. Zu der Ries-Gruppe gehörten unter anderem die Betriebe:

  • Oberschlesische Gummiwerke GmbH Trzebinia (2653 jüdische und 1099 polnische Frauen und Kinder) mit Nebenwerken in Wadowitz und Krenau)
  • Gentleman-Gummiwaren-AG Lodz, umbenannt in Gummiwerke Wartheland
  • Wäsche- und Bekleidungswerke L. Hoffmann, Sambor (Galizien), 1942 um eine "Großnebenstelle" mit 3000 bis 5000 Arbeitskräften im Vernichtungslager Auschwitz erweitert.
  • Gummiwerke Schalkau
  • Hevea Gummiwarenfabrik GmbH Finsterwalde mit Sitz in Leipzig
  • Berliner Konfektionsfabrik Lewinstein
  • Mitteldeutsche Gummi- und Guttapercha-Gesellschaft MIGUIN Edelmuth & Co., Frankfurt/Oder.

Die eingesetzten Zwangsarbeiter steigerten den Umsatz der Betriebe enorm, allein in Trzebinia verzwölfachte sich dieser.

NachkriegszeitBearbeiten

Auf der Flucht vor der Roten Armee setzte sich Ries mit einer großen Menge liquiden Kapitals nach Westdeutschland ab. Er meldete nach der Kapitulation ansprüche als Vertriebener an. Eine unter der Regierung Konrad Adenauers beantragte Entschädigung für die durch die Rote Armee besetzten Betriebe wurde ihm bewilligt. Mit diesem Geld gründete er 1946 die Pegulan-Werke in Frankenthal in der Pfalz, wo er als Vorstandsvorsitzender tätig war und machte seinen Studienfreund Schleyer zum stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzenden. Ries war außerdem seit 1945 als Mitglied des Beirats der Commerzbank AG tätig. 1959 gründete er dazu die Badische Plastic-Werke GmbH.

Ries förderte in dieser Zeit besonders konservative Politiker wie Helmut Kohl, Franz-Josef Strauß, dessen Frau Marianne an den Pegulan-Werken beteiligt war, und Kurt Biedenkopf, welcher 1979 nach Ries Tod dessen Tochter Ingrid heiraten sollte.

Ries wurde 1967 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz, 1972 mit dem Stern dazu von Helmut Kohl ausgezeichnet.

Im Jahr 1972/73 hatten die Pegulan-Werke AG 2000 beschäftigte, zahlreiche Tochterfirmen. Die Dr.-Ries-Gruppe, zu der die Pegulan-Werke, die Badischen Plastic-Werke und ROPLASTA-International Dyna-Plastik-Werk in in Bergisch Gladbach gehörten, hatten einen Umsatz von mehr als einer halben Milliarde DM. Vorsitzer des Aufsichtsrats der Pegulan-Werke war zu der Zeit Ernst Rieche, der auch als Vorstandsmitglied der Commerzbank AG arbeitete.

Anfang der 70er ließ Ries ein Teppichbodenwerk der Pegulan-Werke im österreichischen Städtchen Hartberg errichten. In der nähe davon erwarb Fritz Ries das Schloss Pichlarn, wo sich in der Folgezeit viele Unionspolitiker und Industrielle getroffen haben sollen.

Schleyer und Ries erwarben sich den Ruf als "Kanzlermacher", wobei sie nichtmehr auf Franz Joseff Strauß setzten, sondern stattdessen Biedenkopf und Kohl als Zweiergespann förderten.

Bernt Engelmann veröffentlichte 1974 den Dokumentarroman "Großes Bundesverdienstkreuz" indem er Versuchte die Öffentlichkeit über die Verknüpfungen zwischen Ries, Strauß, Kohl und Schleyer aufzuklären und Ries Nachkriegskarriere schilderte.

Fritz Ries beging am 20. Juli 1977 Selbstmord, genau drei Monate bevor Hanns Martin Schleyer durch die RAF ermordet wurde.

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