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Licio Gelli (*1919), war Gründer der äußerst einflussreichen italienischen, Freimaurerloge Propaganda Due und war dort Meister vom Stuhl, bis er und die Propaganda Due 1976 aus der Freimaurerei ausgeschlossen wurden. Gelli war außerdem Mitglied des Malteserordens und des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Leben Bearbeiten

Während des Faschismus meldete sich Licio Gelli als Freiwilliger für die „Schwarzhemden“ - eine Miliz, die von Mussolini nach Spanien geschickt wurde, um an der Seite Francos im Bürgerkrieg zu kämpfen. Später wurde Gelli Verbindungsoffizier der „Schwarzhemden“-Leitung zu Nazi-Deutschland, mit Kontakten zu Hermann Göring.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Gelli vermutlich für die CIA. Diese These konnte aber bislang nicht bewiesen werden. Seine guten Kontakte zu den Amerikanern wurden allerdings dadurch deutlich, dass er als einziger Italiener den Festivitäten aus Anlass der Amtseinführungen der US-Präsidenten Gerald Ford, Jimmy Carter und Ronald Reagan beiwohnen durfte.

Gladio-Affäre Bearbeiten

Gellis vermeintliche geheimdienstlichen Aktivitäten brachten ihm den Vorwurf ein, eine einflussreiche Rolle im Gladio-Projekt gespielt zu haben. Hierbei handelte es sich um eine Art zivile Geheimarmee, aufgebaut von der CIA und der NATO. Sie sollte im Falle einer kommunistischen Machtübernahme in Italien oder anderen europäischen Ländern zu Guerillamethoden greifen. Die Gladio-Affäre wurde in Italien durch eine Reihe von Untersuchungskommissionen und Prozessen aufgearbeitet.

Flucht und Auslieferung Bearbeiten

Einer drohenden Verhaftung widersetzte sich Gelli durch die rechtzeitige Flucht nach Südamerika. Im Jahr 1981 entdeckte man bei einer Hausdurchsuchung seiner Villa in Arezzo eine Liste mit den Namen zahlreicher Militäroffiziere, Politiker und Personen des öffentlichen Lebens, darunter namhafteste Oberbürgermeister Italiens, die sich in der Geheimloge Propaganda Due engagierten. Darunter die Namen von über 900 Regierungsbeamten, wie u. a. den späteren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, damals noch nicht politisch aktiv, und von Viktor Emanuel von Savoyen sowie von Industriellen, Journalisten und führenden Bankiers, wie Michele Sindona und Roberto Calvi. Die Entdeckung der Liste führte zu einem nationalen Skandal, weil zahlreiche Ämter der italienischen Republik mit Gefolgsleuten Gellis besetzt waren; es handelte sich also um eine konspirative Schattenregierung.

Später wurde er nach Italien ausgeliefert und wegen terroristischer Bombenanschläge vor Gericht gestellt, wurde aber freigesprochen. Einige Jahre nach dem P2-Skandal wurden erneut Verdächtigungen gegen Gelli laut, er sei in die mutmaßliche Ermordung des Mailänder Bankiers Roberto Calvi (auch bekannt als „Bankier Gottes“) verwickelt, der wegen des Zusammenbruchs seiner Banco Ambrosiano in Untersuchungshaft saß und später dann erhängt an der Londoner Blackfriars Bridge gefunden wurde.

In den letzten Jahren widmete sich Gelli der Schriftstellerei, da er an einer Herzschwäche leidet.

Film Bearbeiten

  • Licio Gelli war offensichtlich Vorbild der Figur des Don Licio Lucchesi im Film Der Pate III von 1990.
  • Im Dezember 2007 unterzeichnete Licio Gelli einen Vertrag über die Rechte an seiner Biographie mit dem New Yorker Produzenten Gabor Harrach. Der Spielfilm mit dem Arbeitstitel „Conspirator“ ist in Vorbereitung.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Blondiau, Heribert/Gümpel, Udo: Der Vatikan heiligt die Mittel: Mord am Bankier Gottes, Patmos, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-72417-1
  • D'Alema, Giuseppe: Der aufhaltsame Aufstieg der Loge P2, Edition X, Reinheim 1984, ISBN 3-921-77405-5
  • Silj, Allesandro: Verbrechen, Politik, Demokratie in Italien, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-11911-7
  • Stille, Alexander: Die Richter: Der Tod, die Mafia und die italienische Republik, C.H. Beck, München 1997, ISBN 3-406-42303-5
  • Yallop, David: Im Namen Gottes?: Der mysteriöse Tod des 33- Tage- Papstes Johannes Paul I., Droemer Knaur, München 1984, ISBN 3-426-26160-X
  • Yallop, David: The Power and the Glory: Inside the Dark Heart of John Paul II's Vatican, Constable, London 2008, ISBN 1-845-29446-7

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