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Als Potemkinsches Dorf (teilweise auch in der Schreibweise Potjomkinsches Dorf) wird etwas bezeichnet, das fein herausgeputzt wird, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand zu verbergen. Oberflächlich wirkt es ausgearbeitet und beeindruckend, es fehlt ihm aber an Substanz.

Ursprung Bearbeiten

Für den Namen stand Feldmarschall Fürst Grigori Potjomkin Pate. Potjomkin war ein Gouverneur und Militärreformer, der sich um die Entwicklung der Krimhalbinsel bemühte.

Einer modernen Sage zufolge ließ der Günstling (und Geliebte) der russischen Zarin Katharina II. 1787 vor dem Besuch seiner Herrscherin im neu eroberten Krimgebiet entlang der Wegstrecke Dörfer aus bemalten Kulissen zum Schein errichten, um das wahre Gesicht der Gegend zu verbergen. Diese Legende wurde von Gegnern Potjomkins am Hofe lanciert, die ihm seine gute Beziehung zu Katharina der Großen neideten.

Anderen Quellen zufolge errichtete Potjomkin seine „Dörfer“ vor einer Inspektionsreise von Katharina II., an der auch ein Gesandter aus dem Kurfürstentum Sachsen namens Hellweg teilnahm. Er hielt die Dörfer für Kulissen ohne Leben.

Verwendung Bearbeiten

Beispielsweise verglich der Historiker und ehemalige Häftling Stanislav Zamecnik das Konzentrationslager Dachau mit einem inszenierten Potemkinschen Dorf. In den Anfangsjahren des Lagers erhielten einige ausgewählte Besucher die Gelegenheit, es im Rahmen einer Führung zu besichtigen, was ihnen einen vermeintlichen Einblick, jedoch keinesfalls einen Durchblick verschaffte. Die Presse berichtete darüber, was letztendlich der NS-Propaganda diente.

Gleichfalls wird der Begriff verwendet, um die Vorgehensweise der ehemaligen DDR bei Staatsbesuchen zu beschreiben. Innenstädte oder einzelne Straßenzüge wurden heraus geputzt, um einen positiven (aber in Wirklichkeit falschen) Eindruck zu vermitteln.

  • So geschehen z.B. beim Staatsbesuch von Nicolae Ceau?escu in der DDR 1988: In Erfurt wurde die der Straße zugewandte Seite des Erfurter Opernhauses gestrichen, während die nicht sichtbaren Seiten der Oper in ihrem schlechten Zustand verblieben.
  • Im Dezember 1981 besuchte Bundeskanzler Helmut Schmidt anlässlich eines Staatsbesuchs in der DDR zusammen mit Erich Honecker Güstrow. Die Staatschefs wurden durch Stasi-Mitarbeiter von den Bewohnern Güstrows völlig abgeschirmt. Gemäß den Vorstellungen Honeckers wurde das Bild „eines glücklichen Volkes in heimeliger Adventsstimmung“ inszeniert. Die meisten "Besucher des Weihnachtsmarktes" waren in Zivil gekleidete Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit mit dem Auftrag, eine festliche Atmosphäre zu verbreiten und Erich Honecker zuzujubeln. 35.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz: 14.000 vom MfS, 21.000 von der Volkspolizei. Es gab 81 Haftbefehle, 11.000 Personen standen drei Tage lang unter Kontrolle, 4500 Wohnungsuntersuchungen wurden durchgeführt.

Siehe auch Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

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