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Rudolf, Kronprinz von Österreich-Ungarn (1858-1889) war Erzherzog und, als Sohn des Habsburger Kaisers Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn und Elisabeth ("Sisi") von Österreich-Ungarn, als Thronfolger ausersehen. Er starb unter mysteriösen Umständen, angeblich durch Suizid, mit seiner Geliebten Maria ("Mary") von Vetsera am 30. Januar 1889 auf Schloss Mayerling. Die Thronfolge ging danach auf Franz Ferdinand über (Attentat von Sarajevo).

Leben Bearbeiten

Der Kronprinz fiel durch sein sensibles Wesen auf; eine militärische Ausbildung auf Drängen des Vaters konnte er durch das vermittelnde Eintreten seiner Mutter beenden und sich den Naturwissenschaften zuwenden. So machte er viele Reisen, schrieb Berichte und war Vogelkundler.

Über diese naturwissenschaftliche Arbeit freundete er sich mit dem Zoologen Alfred Brehm an. Brehm war Freimaurer, in einer Liste von berühmten Freimaurern taucht auch Rudolf auf, mit dem Vermerk "Die Mitgliedschaft Rudolfs ist nicht eindeutig erwiesen, kann aber durch Indizien belegt werden".

Auf Druck von Franz Joseph I. heiratete er Stephanie von Belgien, welche aus einer Nebenlinie der Habsburger kam. Aus dieser Ehe ging Elisabeth Marie von Österreich hervor.

Als Deutschliberaler der mit den Ungarn sympathisierte stand er immer wieder im Konflik mit seinem Vater.

Tod auf Schloss Mayerling Bearbeiten

AblaufBearbeiten

Affäre mit Mary Vetsera Bearbeiten

Dass Rudolf von vielen jungen Mädchen angehimmelt wurde, lag auf der Hand, schließlich war er der Kronprinz von Österreich-Ungarn. Dementsprechend hatte er viele Geliebte, trotz seiner ihm aufgezwungenen Ehe.

Die 17-jährige Mary Vetsera war eines der vielen jungen Mädchen, die für ihn schwärmten. Sie traf ihn erstmals 1888 bei einem Pferderennen in der Freudenau. Nach einem Briefwechsel kam es im November 1888 zu den ersten persönlichen Treffen. Ca. 20 mal trafen sie sich bis zum 28. Januar im Geheimen und wurden dabei von Rudolfs Leibfiaker (Kutscher) Bratfisch, Gräfin Larisch (eine Cousine Rudolfs) und der Zofe Marys, Agnes Jahoda, unterstützt.

Schloss MayerlingBearbeiten

Am 28. Januar 1889 wurde Mary von Gräfin Larisch in die Hofburg gebracht, von wo sie mit Rudolfs Leibfiaker Bratfisch nach Breitenfurt und von dort gemeinsam mit Rudolf nach Mayerling fuhr.

Am Morgen des 29. Januar kommen Graf Hoyos und Prinz Coburg in Mayerling an, sie sind vom Prinzen zum Jagen eingeladen worden, beide bemerken nichts von der Anwesenheit Marys. Rudolf nimmt allerdings nicht an der Jagd teil, angeblich wegen einer Erkältung. Mit der selben Begründung nimmt er auch nicht an einem wichtigen Familiendinner teil, welches am Abend zur Verlobung von Rudolfs Schwester Valerie auf der Hofburg ausgerichtet wird.

Rudolf verschickt an diesem Tag noch zwei Einladungen für den 31. Januar und befiehlt Bratfisch, die Pferde für 08.00 Uhr einzuspannen. Um 19.00 Uhr isst der Kronprinz mit Hoyos alleine zu Abend und zieht sich gegen 21.00 Uhr zurück.

Graf Hoyos geht danach in seine Wohnung außerhalb des Jagdschlosses.

30. Januar 1889Bearbeiten

Der Diener Loschek hat die Aufgabe, den Kronprinzen gegen 07:30 Uhr zu wecken. Nach dem Versuch, den Kronprinzen zu wecken und die Tür des Zimmers zu öffnen, holt er Graf Hoyo um etwa 08:00 Uhr herbei. Prinz Coburg trifft um 08:10 Uhr aus Wien ein. Die Männer beschließen nun, dass Loschek die Tür aufbrechen soll. Er findet Mary und Rudolf tot auf dem Bett liegend.

Hoyo verlässt das Schloss nach Wien, wo er am Hof erzählt, dass der Kronprinz von Mary vergiftet worden sei. Von Bratfisch wird er nach Baden gebracht, wo er einen Zug anhalten lässt und verbreitet, dass der Kronprinz sich erschossen habe.

Die Leiche des Kronprinzen wird noch am Abend nach Wien gebracht. Über die Leiche Marys wird allerdings beharrlich geschwiegen. Von Seiten der Habsburger wurde nie zugegeben, dass Rudolf Mary ermordet hat.

Der Kaiser erfuhr erst 24 Stunden nach der Entdeckung der Leiche von den Umständen des Todes.

Selbstmord in einer KaiserfamilieBearbeiten

Ein Suizid stellte natürlich einen Skandal für die Kaiserliche Familie dar, handelt es sich hierbei doch um die schwerste Todsünde. Nur dadurch, dass der Hofarzt dem Kronprinzen geistige Verwirrung attestierte, konnte er kirchlich beigesetzt werden.

Das Vertrauen in das Gottesgnadentum der Habsburger war natürlich erschüttert. Viele sehen hierin einen Beleg für den Selbstmord, denn hätten die Habsburger etwas vertuscht, so hätten sie ebenso Mary Vetsera zur Mörderin des Kronprinzen erklären können.

VertuschungenBearbeiten

Zeugen wurden von den Habsburgern zum Schweigen verpflichtet, und die wenig existierenden Aussagen widersprechen sich. Viele Dokumente zu dem Fall wurden vernichtet. Die angebliche Tatwaffe wird noch heute von Otto von Habsburg verwahrt, der sie erst nach seinem Tod herausgeben will.

Franz Joseph I. ließ das Schloss Mayerling noch im selben Jahr massiv umbauen. Rudolfs Zimmer wurde abgerissen und an dieser Stelle eine Kirche angefügt. Der Altar befindet sich genau an der Stelle, an der das Bett in dem Zimmer stand, wo Rudolf und Mary aufgefunden worden waren.

AbschiedsbriefeBearbeiten

Rudolf soll mehrere Abschiedsbriefe verfasst haben. Von diesen Briefen sind allerdings nur sehr wenige im Original erhalten. Die bekannten Briefe sind undatiert, weshalb nicht auszuschließen ist, dass sie möglicherweise nichts mit dem Tod auf Mayerling zu tun haben.

Kodizil

Sekt. Chef von Szögyeny-Marich soll die Güte haben, allein gleich meinen Schreibtisch im Türkischen Zimmer in Wien aufzumachen. Folgende Briefe wurden verschickt:
1. An Valerie
2. An meine Frau
3. An Baron Hirsch
4. An Mizzi Caspar
Was von Geld sich vorfindet, bitte ich alles Mizzi Caspar zu übergeben. Mein Kammerdiener Loschek weiß ihre Adresse genau. Alle Briefe der Gräfin Larisch Wallersee und der kleinen Vetsera an mich sind allsogleich zu vernichten.
Mit den anderen Schriften kann Szögyeny nach Gutdünken handeln, mit militärischen sich früher mit Oberstlieutnant Mayer ins Einvernehmen setzen.
Rudolf


an Sektionschef Szögyeni In Ungarisch. Übersetzt:

Lieber Szögyeny!
Ich muß sterben, das ist die einzige Art, zumindest wie ein Gentleman diese Welt zu verlassen.
Haben Sie die Güte, meinen Schreibtisch hier in Wien im Türkischen Zimmer, dort, wo wir in besseren Zeiten so oft zusammen saßen, aufzumachen und die Papiere so zu behandeln, wie es in meinem letzten Willen - hier beigeschlossen - aufgeschrieben Herzlichst grüßend, und Ihnen und unserem angebeteten ungarischen Vaterland alles Gute wünschend
bin ich Ihr
getreuer Rudolf

an Kronprinzessin Stephanie

Liebe Stephanie!
Du bist von meiner Gegenwart und Plage befreit.
Werde glücklich auf Deine Art.
Sei gut für die arme Kleine, die das einzige ist, was von mir übrig bleibt. Allen Bekannten, besonders Bombelles, Spindler, Latour, Szögyeny, Gisela, Leopold etc.etc. sage meine letzten Grüße.
Ich gehe ruhig in den Tod, der allein meinen guten Namen retten kann. Dich herzlichst umarmend, Dein
Dich liebender
Rudolf

Mary an ihre Mutter

Liebe Mutter!
Verzeiht mir, was ich getan. Ich konnte der Liebe nicht widerstehen. In Übereinstimmung mit ihm will ich neben ihm auf dem Friedhof von Alland begraben sein. Ich bin glücklicher im Tode als im Leben.
Deine
Mary

Die Leiche von MaryBearbeiten

Ein kaiserliches Ärztekollegium attestierte Mary einen Selbstmord durch Kopfschuss. Ihre Leiche wurde ohne Zeremoniell schnell und heimlich zum Zisterzienserstift Heiligenkreuz verbracht, wo sie in den Morgenstunden des 1. Februar auf dem Ostfriedhof beerdigt wurde. Am 16. Mai wurde sie in eine Gruft, die ihre Mutter errichten ließ, in einen Prunksarg aus Kupfer umgebettet.

Im April 1945 wurde das Grab von sowjetischen Soldaten geplündert. Mary wurde erst am 7. Juli 1959 neubestattet, wobei der spätere Prior des Stiftes Heiligenkreuz Hradil, der Cousin der verstorbenen Heinrich Baltazzi-Scharschmied und der Leiter der städtischen Bestattung Baden Amtsrat Halbwachs zugegen waren. Alle stimmten darin überein, dass es keine Kopfverletztung durch einen Schuß gegeben habe.

In den 90ern erregte der Fall wieder aufsehen, als die Gebeine von Helmut Flatzelsteiner, einem Mayerling-Mythos Interessierten, entwendet wurden. Flatzelsteiner wollte erreichen, dass die Gebeine forensisch untersucht wurden. Nach der Sicherstellung des Leichnams erteilte die Familie Baltazzi-Vetsera eine Genehmigung für eine forensische Untersuchung, zog diese aber noch vor deren Ende zurück. Am 28. Oktober 1993 wurde der Leichnam von Mary wieder beigesetzt und die Gruft mit Erde gefüllt. Eine DNA-Analyse wurde von der Familie verweigert, allerdings soll die Leiche Kleider aus Wiener Geschäften tragen, in denen die Familie Vetsera eingekauft hatte.

TheorienBearbeiten

SelbstmordBearbeiten

Der Kronprinz war bekannt für seine Stimmungsschwankungen und seine Sensibilität. Unter dem Eindruck der unerfüllbaren Liebe könnte einer oder beide den Selbstmord als einzigen Ausweg gesehen haben. Zudem kamen Rudolfs Auseinandersetzungen mit seinem Vater.

Auch hatte er schon einmal mit seiner langjährigen Geliebten Mizzi Kaspar versucht Selbstmordpläne zu schmieden. Mizzi hatte dies aber abgelehnt und ihn an die Polizei verraten.

Kritiker dieser Theorie wenden ein, dass das Argument der unerfüllten Liebe eher eine romantische Verklärung sei. Wieso sollte Rudolf, der schon viele Geliebte hatte, ausgerechnet bei Mary, die er gerade einmal ein paar Monate kannte, diesen Schlussstrich ziehen. Andererseits erschien es auch merkwürdig, dass Rudolf unbedingt mit einer Geliebten zusammen sterben wollte. Oder ist es möglich, dass er hinter der Geliebten die wahren Beweggründe seines Selbstmordes verbergen wollte?

MordBearbeiten

politisches MotivBearbeiten

HofstaatBearbeiten

Ein liberal denkender Kronprinz, der Ungarn unterstützt, macht sich am Wiener Hof nicht gerade viele Freunde. Besonders mit seinem Vater lag er über Politik oft im Streit. Der Gedanke, dass dieser Mann eines Tages Kaiser geworden wäre, hat sicherlich nicht viele Freunde gehabt.

Hinzu kommt, dass Alfred Brehm, ein Freimaurer, zu Rudolfs Freunden gehörte, und dass es noch heute Indizien geben soll, dass Rudolf selbst Freimaurer war. Und dies in Österreich-Ungarn wo in jener Zeit die Römisch-Katholische Kirche die Staatsreligion bildete und auch noch zur Zeit des Taxil-Schwindels.

politische Unruhe im 19. Jh.Bearbeiten

Das 19. Jahrhundert war in Europa geprägt von Revolutionen. Das Bürgertum begehrte auf gegen die Zensur und Unterdrückung durch Fürsten und Monarchen. Extreme politische Denkrichtungen entstanden, Anarchismus, Kommunismus, Nationalismus.

Sowohl Rudolfs Mutter Elisabeth von Österreich-Ungarn als auch sein Cousin Franz Ferdinand (Attentat von Sarajevo), starben bei politischen Attentaten.

ungewollte SchwangerschaftBearbeiten

Es wird spekuliert, dass hinter den Ereignissen im Schloss Mayerling möglicherweise eine ungewollte Schwangerschaft steht. Hätte nicht Rudolfs erster männlicher Nachfahre Anspruch auf den Thron?

Kritiker dieser Theorie wenden ein, dass es in Adelskreisen sehr wohl uneheliche Kinder gab, und dass das Mittel der Abtreibung bestand (natürlich im Geheimen). Ein Motiv für einen Selbstmord leite sich also nicht ab.

misslungene AbtreibungBearbeiten

Spekulationen, dass Mary auf Schloss Mayerling an den Folgen einer Abtreibung gestorben sei, erscheinen unwahrscheinlich, da man keinen Arzt zum Schloss holen ließ (bzw. nichts von einem Arzt bekannt ist). Selbst wenn dies so wäre, stellt sich immer noch die Frage, warum Rudolf starb, denn eine einzelne Tote ließe sich leicht als Opfer einer plötzlichen Krankheit oder eines Unfalls darstellen.

Allerdings könnte ein solcher Fall auch ein Motiv für die Familie Marys sein. Diese lässt an Mord im Affekt denken. In Wien hatte Gräfin Larisch am 29. die Geschichte am Abend schon ausgeplappert, weshalb ein Onkel Marys auf dem Weg nach Mayerling war, um sie von dort zurück zu holen.

Weblinks Bearbeiten

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