FANDOM


Die schwedische U-Boot-Krise bezeichnet eine Welle von Sichtungen unbekannter U-Boote Anfang der 1980er bis 1990 vor der Küste Schwedens. Die Nationalität der U-Boote blieb unbekannt, während der Krise wurden sie allgemein für sowjetisch gehalten, neuere Informationen deuten aber auch auf eine US-amerikanische und britische Herkunft hin.

Zeitgeschichtlicher HintergrundBearbeiten

Schweden nahm während des Kalten Krieges offiziell eine neutrale Position ein, was allerdings nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Schweden stark westlich orientiert war und, ebenso wie Finnland, zum stay-behind-Netzwerk der NATO gehörte.

Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme strebte eine Entspannung des Kalten Krieges an und verhandelte dafür mit den Sowjets.

Auch in der US-Politik zeichnete sich mit Reagan ein Umbruch in der Politik mit der Sowjetunion ab, doch in vollkommen entgegengesetzter Richtung. Anstelle des Gleichgewichts des Schreckens trat der Glaube, die Sowjetunion besiegen zu können. Mit dem geplanten SDI-Projekt sollte das Gleichgewicht zu Gunsten der USA gekippt werden. (siehe auch Krieg der Sterne auf Erden, Weltraumwaffe, Fractional Orbital Bombardment System).

AblaufBearbeiten

U 137Bearbeiten

Schon seit einigen Jahren kursierten Gerüchte über das Eindringen sowjetischer U-Boote in schwedische Gewässer, doch erst mit dem ersten nachweisbaren Fall gewannen die Vermutungen an Fahrt.

Am 28. Oktober 1981 lief das sowjetische U-Boot U 137 (Sowjetische Kennzeichnung S-363) vor Südschweden nahe der Marinebasis Karlskrona auf Grund.

UrsacheBearbeiten

Laut Aussage der Sowjetunion war es ein Navigationfehler, der das U-Boot mitten in das militärische Sperrgebiet manövriert hatte.

Der Kapitän Anatoli Michailowitsch Guschtschin sagte später aus, dass man ihm wegen Problemen mit dem Kompass einen Navigationskapitän vorgesetzt habe, der mehrfach grobe Fehler begangen hätte. So wurde das Schiff etwa zwei Mal durch Fangnetze gesteuert, die zwei der drei Navigationssysteme, eine Rahmenantenne des Hauptnavigationsystems und den Empfänger des Echolot, zerstörten. Es habe Streitigkeiten über die Position des Schiffes gegeben, letztendlich fiel auch noch das letzte Navigationsystem aus.

Von Seiten Schwedens wurde eine misslungene Spionageaktion vermutet, die Torpedo-Tests ausspähen sollte.

Kernwaffe an Bord?Bearbeiten

Das Totalförsvarets forskningsinstitut (FOI) unternahm von außen mit einem speziell zusammengebauten Schiff der Küstenwache geheime Messungen von radioaktiven Materialien innerhalb des Schiffes, wobei sie vermuteten, Uran-238 entdeckt zu haben. Sie spekulierten, das Uran-238 wäre das Nebenprodukt einer Kernwaffe in einem so bestückten Torpedo. Die Sowjetunion hingegen bestreitet jedes Vorhandensein von Atombomben.

U-Boot-SichtungenBearbeiten

Die U-Boote wurden häufig mit weit ausgefahrenen Periskopen, in manchen Fällen sogar mit Türmen über dem Wasser, gesichtet. Dies könnte darauf hindeuten dass sie bewusst als Mittel des psychologischen Kriegsführung gesehen werden sollten. Die U-Boote sollen desweiteren Taucher abgesetzt haben. Der Schwedische Brigadegeneral Lars Hansson vermutete hinter den Tauchern Angehörige der Speznas.

Das Schwedische Militär richtete sich mit Aufrufen und Broschüren an die Bevölkerung, diese sollte Ausschau nach fremden U-Booten halten. Man wollte die U-Boote mit militärischen Mitteln stellen.

Seit U 137 herrschte ein scheinbarer Konsens darüber, dass die U-Boote sowjetischer Herkunft waren.

Als ein Beweis dafür, dass hinter den U-Booten die Sowjets stecken, wurde Spuren von Rädern oder Ketten im Meeresboden dargestellt, da man behauptete, die Westmächte verfügten über keine U-Boote mit Rädern. Tatsächlich gab es allerdings ein amerikanisches Boot mit Rad, das NR-1.

Oktober 1982Bearbeiten

Am 11. Oktober 1982 wird von der Insel Muskö ein U-Boot geortet und festgestellt, dass es sich einer Minensperre nähert. Sven Olof Kviman, Oberstleutnant der Küstenartillerie, wollte das Schiff unbedingt stellen oder vernichten. U-Boot spezifische Geräusche wurden unter Wasser aufgefangen.

Um 12:20 befand sich das Objekt in der Nähe einer 600 kg Wassermine, die, nach mehrmaliger Kontrolle der Position, gezündet wurde. Das U-Boot scheint schwer beschädigt worden zu sein und blieb auf dem Boden der See liegen. Geräusche, die später aufgefangen wurden, deuteten auf Reparaturarbeiten hin, davon sollen laut Kviman 20 bis 25 Minuten während der Nacht aufgenommen worden sein. Heute ist nichts mehr auf den Bändern zu hören.

Ein gelbgrüner Farbfleck tauchte über dem U-Boot an der Wasseroberfläche auf. Proben und Fotos dieses Flecks verschwinden später spurlos.

Kurz nach Zünden der Wassermine wurde Kvimann Feuerverbot erteilt. Dies geschah anfangs unter dem Vorwand, dass Feuer nur bei guter Sicht am Tag erlaubt sei. Auf kritische Nachfrage darauf wurde als Anlass angegeben, dass man kein Blutbad unter der sowjetischen U-Bootbesatzung wollte.

Zwei Tage später hat Moskö wieder Kontakt zu einem U-Boot. Kvimann ließ diesmal einen Helikopter aufsteigen und wollte von Booten Wasserbomben abwerfen lassen. Kurz vor dem Einsatz der Wasserbomben schaltete sich die Marinebasis ein, die nur den Einsatz einer einzigen Wasserbombe gestattete.


Auffällig ist, dass die Seite des Kriegstagebuchs im Hauptquartier zu diesem Tag fehlt.

Rücktritt von Lennart Bodström 1985Bearbeiten

Die Aussage des damaligen schwedischen Außenministers Lennart Bodström, man kenne die Nationalität der gesichteten U-Boote nicht, wurde von der politischen Opposition scharf kritisiert. Bodström muss daraufhin zurücktreten.

Aussage Caspar Weinbergers 2000Bearbeiten

Der in die Iran-Contra-Affäre und das SDI-Progamm verwickelte US-Außenminister a.D. Caspar Weinberger gab im Jahr 2000 überraschend im schwedischen Fernsehen SVT zu, dass amerikanische U-Boote "regelmäßig" und "häufig" in schwedische Gewässer eingedrungen seien, während sowjetische U-Boote dazu angeblich nicht in der Lage gewesen wären. Das Eindringen habe allerdings mit Wissen und in Absprache mit dem schwedischen Militär stattgefunden.

Die schwedische Regierung war zu keinem Zeitpunkt in die Vorgänge involviert.

Scherzbolde am WerkBearbeiten

Zumindest einmal waren Scherzbolde am Werk. Mitte der 1980er Jahre wurde wiederholt in den Gewässern vor der südschwedischen Küste das Sehrohr eines U-Boots gesichtet, während das Echolot nichts Verdächtiges zeigte. Dies beunruhighte natürlich sehr die schewdische Marine, denn man fürchtete, die sowjetische Marine verfügt über eine ausgefeilte Tarnkappentechnik. Eine von der schwedischen Marine durchgeführte große Suche nach dem vermeintlichen U-Boot blieb erfolglos.

Allerdings fand sich wenig später im Fang eines Fischtrawlers ein mit einem Ballastgewicht beschwerter Styroporblock mit einem U-förmigen Rohr auf der Oberseite. Nach diesem Fang hörte die Sichtung des ominösen U-Boots schlagartig auf.

siehe auchBearbeiten


USO K-129 Kursk Estonia


Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki