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Im September und Oktober des Jahres 1999 kam es zu einer Serien von Bombenanschlägen auf Wohnhäuser in Russland, welche ca. 300 Opfer forderten.

Von offizieller russischer Seite machte man tschetschenische Separatisten für die Anschläge verantwortlich, die mit ihnen die Öffentlichkeit von einem Einmarsch des Rebellenführers Schamil Bassajew in Dagestan ablenken wollten. Die Bombenanschläge gelten als Anlass für den Zweiten Tschetschenienkrieg.


Anschläge Bearbeiten

31. August 1999 – Moskau Bearbeiten

Am 31. August explodierte in der Einkaufspassage „Ochotny Rjad“ (russisch: Охотный ряд) am Manege-Platz in Moskau. Dabei starb ein Mensch und 40 wurden verletzt.

Es wird vermutet das dieser Anschlag nicht im Zusammenhang mit den folgenden stand.

4. September 1999 – BuinakskBearbeiten

Am 4. September 1999 (21:45 Uhr) explodierte eine Autobombe (2700 kg Aluminium-Pulver mit Ammoniumnitrat; LKW ???-52) in der Stadt Buinaksk in der Republik Dagestan vor einem sechsstöckigem Wohnhaus (Lewanewskowo Straße 3; russisch: ????? ????????????), das von russischen Militärangehörigen und ihren Familien bewohnt wurde. Dabei wurden 64 Personen getötet, darunter 23 Kinder, und 164 verwundet. Es wurden zwei Aufgänge des Hauses mit den dazugehörigen Wohnungen zerstört.

Ein zweiter LKW (???-130) wurde von der Polizei beim Krankenhaus unschädlich gemacht. Im Wagen wurden Papiere auf den Namen Isi Sainutdinowa (russisch: Исы Зайнутдинова) gefunden.

Von offizieller russischer Seite wurde Separatisten aus Tschetschenien für den Anschlag verantwortlich gemacht, die auch einige Tage vorher (7. August 1999) unter der Führung von Bassajew und Ibn al-Chattab einen Aufstand in Dagestan begonnen hatten und die unabhängige „Islamische Republik Dagestan“ ausriefen. In die Kämpfe waren ca. 1400 muslimische Kämpfer aus Tschetschenien und Dagestan verwickelt. Es gab Hunderte von Todesopfern unter den Kämpfern und der Zivilbevölkerung.

8. September 1999 – MoskauBearbeiten

Am 8. September explodierte im Erdgeschoss eines Wohnhauses im Südosten Moskaus eine 300–400 kg schwere Sprengstoffladung. Das neunstöckige Gebäude wurde sehr stark zerstört (108 zerstörte Wohnungen), es starben 94 Menschen im Haus und 150 Personen wurden verletzt.

Ein Anrufer bei einer russischen Nachrichtenagentur sagte, dass die Explosion eine Antwort auf die russischen Bomben auf Dörfer in Tschetschenien und Dagestan während des Dagestankrieges sei.

13. September 1999 – MoskauBearbeiten

Am 13. September 1999 war ein Trauertag für die Opfer des vorhergehenden Bombenanschlages; an diesem Tag explodierte eine weitere Sprengladung in einer Wohnung an der Kaschirowskoje-Schnellstrasse im Süden von Moskau. Das 8-stöckige Gebäude wurde total zerstört. Die Explosion schleuderte einige Betonteile des Hauses hunderte Meter weit und bedeckte die ganze Straße mit Schutt. Es starben 118 Menschen und 200 wurden verletzt.

Zu dieser Zeit erklärte der russische Ministerpräsident Putin den Krieg gegen die „illegalen Kampfeinheiten“ in Tschetschenien. Obwohl es keine wirklichen Beweise für tschetschenische Täter gab, traf das russische Militär Vorbereitungen, wieder in Tschetschenien einzumarschieren und die tschetschenische Regierung abzusetzen.

16. September 1999 – WolgodonskBearbeiten

Der russische Entschluss für eine gewaltsame Lösung des Konfliktes in Tschetschenien wurde durch eine weitere Explosion einer Autobombe am 16. September verstärkt. Diese Explosion fand vor einem 9-stöckigen Wohnhaus in der südrussischen Stadt Wolgodonsk (Donregion) statt, wobei 17 Personen getötet wurden.

Russland reagierte mit dem Einsatz seiner Luftstreitkräfte gegen Stellungen von tschetschenischen Rebellen/Aufständischen (je nach Standpunkt), Erdölraffinerien und andere Gebäude in Tschetschenien. Bis Ende September war klar, dass es sich nicht um einzelne Angriffe handelte, sondern ein Krieg in Tschetschenien entbrannt war – der zweite Tschetschenienkrieg. Im Oktober 1999 marschierten dann russische Truppen in Tschetschenien ein.

22. September 1999 – Vorfall in RjasanBearbeiten

Am Abend des 22. Septembers 1999 bemerkte ein aufmerksamer Bewohner eines Wohnhauses der Novosyelov-Straße 14/16 in Rjasan einen Fremden, der schwere Zuckersäcke aus seinem Auto in den Keller schleppte. Die lokale Polizei (Miliz) wurde gerufen und alle Anwohner wurden evakuiert.

Nach der Aussage des ersten Polizisten am Tatort handelt es sich beim Inhalt der Säcke schon dem Augenschein nach um keinen Zucker. Der Inhalt der Säcke stellte sich beim ersten Test durch Sprengstoffexperten als Hexogen heraus. Alle Straßen, die aus der Stadt führten wurde stark überwacht, aber es gab keine weiteren Spuren.

Der Angestellte einer Telefongesellschaft hörte ein Ferngespräch mit, bei dem ein Anrufer von außerhalb dazu aufforderte, vorsichtig zu sein und sich vor Patrouillen in Acht zu nehmen. Die Telefonnummer des auswärtigen Anrufers gehörte zu einem FSB-Büro in Moskau.

Der russische Geheimdienst FSB erklärte 48 Stunden später, dass dieser Vorfall ein Training gewesen sei. Das Ergebnis der ersten Sprengstoffanalyse wurde widerrufen, da es wegen einer Verschmutzung des Analyseapparates durch vorangegangene Tests ungenau gewesen sei. Dennoch war der Bombenentschärfer Yuri Tkachenko weiterhin davon überzeugt das es sich um eine echte Bombe handelte, deren Timer, Energieversorgung und Zünder nur aus der Ausrüstung des Militärs stammen konnten. Der öffentliche Untersuchungsausschuss konnte kein endgültiges Ergebnis zu diesem Ereignis vorlegen, da von verschiedenen Behörden der Russischen Föderation widersprüchliche Auskünfte erteilt wurden. Der Generalstaatsanwalt schloss die Untersuchung des Vorfalls in Rjasan im April 2000 ab.


Untersuchungen Bearbeiten

russische BehördenBearbeiten

Nach den Ergebnissen der offiziellen Untersuchung wurden die Bombenanschläge auf die Wohnhäuser von Ibn al-Chattab und Abu Umar, einem arabischem Kämpfer, der in Tschetschenien kämpfte, geplant und organisiert. Beide wurden später getötet.

Die Planung wurde in al-Chattabs Guerillalagern „Kaukasus“ in Schatoj (Шато́й) und „Taliban“ in Avtury (auch: Aleroy, Автуры) in Tschetschenien durchgeführt.

Am 4. Mai 2000 tötete ein russisches Spezialkommando bei einem Angriff aus dem Hinterhalt auf einen tschetschenischen Rebellen-Trupp (je nach Sichtweise) in der Nähe des Dorfes Avtury 19 Personen.

Die offizielle russische Untersuchung ergab, dass die Operation für Bombenanschläge auf die Wohnhäuser von Achemez Gotschijajew (aus dem Turkvolk der Karatschaier stammend) geführt wurde. Der Sprengstoff wurde in Urus-Martan (Tschetschenien; russisch: Уру́с-Марта́н; tschetschenisch ХӀалхӀа-Марта/Chalcha-Marta) vorbereitet – in einer Düngemittelfabrik. Dazu wurden Hexogen, TNT, Aluminium-Pulver und Salpeter mit Zucker gemischt. Von dort wurde er an an Nahrungsmittellager in Kislowodsk verfrachtet, das von Yusuf Krymschachalow – einem Onkel eines der mutmaßlichen Terroristen – geführt wurde. Ruslan Magajajew, ein weiterer Verschwörer, hatte einen Lastkraftwagen (Kamas) gemietet, in dem die Säcke für zwei Monate gelagert wurden. Nachdem die Planungen abgeschlossen waren, wurden die Teilnehmer in verschiedene Gruppen aufgeteilt, um den Sprengstoff in verschiedene Städte zu bringen. Die meisten Beteiligten waren keine ethnischen Tschetschenen.

Nach der offiziellen russischen Version wurden die Terroranschläge ausgeführt, um die Aufmerksamkeit der russischen Streitkräfte von Dagestan abzulenken, wo zu dieser Zeit Kämpfe zwischen russischen Streitkräften und 1400 eingedrungenen separatistischen Kämpfern aus Tschetschenien, welche von Bassajew und Ibn al-Chattab angeführt wurden, stattfanden.


Täter Bearbeiten

Die folgende Personen lieferten demnach den Sprengstoff, lagerten ihn oder gewährten anderen Verdächtigen Zuflucht:

Moskauer Bombenanschläge – 8. und 13. September 1999

Bombenanschlag in Wolgodonsk – 16. September 1999

  • Timur Batschajew (bei einem Zusammenstoß mit der Polizei in Georgien getötet, wobei Krymschachalow verhaftet wurde – siehe oben)
  • Zaur Batschajew (in Tschetschenien getötet)
  • Adam Dekkuschew (in Georgien verhaftet – bei der Verhaftung warf er eine Handgranate auf die Polizisten, an Russland augeliefert, im Januar 2004 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt)

Bombenanschlag in Buinaksk – 4. September 1999

  • Isa Sainutdinow (im März 2001 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt)
  • Alisultan Salichow (im März 2001 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt)
  • Magomed Salichow (wurde im November 2004 in Aserbaidschan verhaftet und an Russland augeliefert; von dem Anklagepunkt wegen Terrorismus wurde er vor am 24. Januar 2006 freigesprochen; er wurde jedoch wegen Teilnahme an einer illegalen bewaffneten Gruppe und illegalem Grenzübertritt verurteilt. Das Oberste Gericht ordnete wegen Verfahrensfehlern eine Wiederaufnahme des Prozesses an; er wurde jedoch am 13. November 2006 erneut freigesprochen – dieses Mal von allen Anklagepunkten
  • Sijawutdin Sijawutdinow (wurde in Kasachstan verhaftet und an Russland augeliefert, im April 2002 zu 24 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt)
  • Abdulkadyr Abdulkadyrow (im März 2001 zu 9 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt)
  • Magomed Magomedow (im März 2001 zu 9 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt)
  • Zainutdin Zainutdinow (im März 2001 zu 3 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und sofort begnadigt und freigelassen)
  • Machach Abdulsamedow (im März 2001 zu 3 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und sofort begnadigt und freigelassen)

Ein gewisser „Gotschijajew“ hat an russische Zeitungen geschrieben, dass er als unwissender Teilnehmer an einer Verschwörung des russischen Geheimagenten Ramasan Dyschekow vom FSB verwickelt war. Es ist nicht klar, wie glaubhaft diese Behauptung ist.

Versuche Nicht-Staatlicher UntersuchungenBearbeiten

Die russische Duma hat zwei Anträge auf eine parlamentarische Untersuchungskommission zur Untersuchung des Zwischenfalls in Rjasan abgewiesen.

Eine unabhängige Untersuchungskommission (vier Dumaabgeordnete), unter Vorsitz des Dumaabgeordneten Sergej Kowaljow, zur Untersuchung der Explosionen erwies sich als ineffektiv, weil die Regierung es ablehnte, auf entsprechende Anfragen Auskünfte zu erteilen.

Zwei führende Mitglieder dieses Untersuchungsausschusses (Sergei Juschenkow und Juri Schekotschikin), beide Dumaabgeordnete, starben seitdem – augenscheinlich bei Mordanschlägen (April 2003 und Juli 2003). Sie hatten die These vertreten, dass der FSB in die Anschläge verwickelt war.[1] [2]

Juri Schekotschikin wurde mit radioaktivem Thallium getötet. Beim späteren Mordattentat auf Alexander Litwinenko spekulierte man deshalb anfangs auf die gleiche Tötungsmethode. Juri Schekotschikin war Journalist bei der Nowaja Gaseta, wo er auch ein Interview mit Anna Politkowskaja führte. Sie wurde ebenfalls ermordet.

Der Anwalt der unabhängigen Untersuchungskommission, Michail Trepaschkin (russisch: Михаил Иванович Трепашкин), wurde im Oktober 2003 verhaftet und ist gegenwärtig (2006) einer der bekanntesten politischen Gefangenen Russlands.

Ein weiteres Mitglied der Untersuchungskommission – Otto Lacis – wurde im November 2003 brutal zusammengeschlagen.

Theorien Bearbeiten

Terrorismus durch den FSBBearbeiten

Insbesondere der Vorfall von Rjasan lenkt den Verdacht hinter den Anschlägen zu stecken auf den FSB. Untersuchungen diesbezüglich, die den FSB als Täter sehen, scheinen von Todesfällen (Sergei Juschenkow, Juri Schekotschikin, Alexander Litwinienko) überschattet, was den Verdacht noch zusätzlich bestärkt.

siehe auch: 11. September, Terroranschläge am 7. Juli 2005 in London, Alexander Litwinenko

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