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The Family ist ein im Jahr 1935 gegründetes evangelikales Netzwerk. Es ist auch bekannt unter den Namen The Fellowship Foundation, National Fellowship Council, Fellowship House, The International Foundation, National Committee for Christian Leadership, International Christian Leadership (ICL) und National Leadership Council. Der deutsche Ableger nannte sich Christen in Verantwortung. Das Netzwerk ist eine internationale Bewegung und sagt, dass es sich am Leben und den Lehren von Jesus Christus orientiert.[1]

Das im Hintergrund wirkende Netzwerk tritt nur als Organisator des National Prayer Breakfast in den USA öffentlich in Erscheinung; ein Ereignis auf dem seit Dwight D. Eisenhower jeder amerikanische Präsident einschließlich Barack Obama auftraten. Führer des Netzwerks ist gegenwärtig Doug Coe,[2][3][4] der früher auch für die Missionsgemeinschaft Navigatoren arbeitete.[5]

GeschichteBearbeiten

GründungBearbeiten

Das Netzwerk wurde 1935 von Abraham Vereide, einem norwegischen Immigranten und methodistischen Wanderprediger, in Seattle (USA) gegründet. Initiatoren waren neben Vereide eine Gruppe einflussreicher Geschäftsleute, welche die Politik des New Deals von Franklin D. Roosevelt strikt ablehnten und Roosevelts Politik eine sozialistische oder gar kommunistische Zielrichtung unterstellten. Konkreter Auslöser waren vorangehende Streiks in San Francisco und Seattle, welche in den Augen von Abraham Vereide und seiner Gruppe von „gottlosen linken Kräften“ initiiert wurden.[6] Vereide, beeinflusst durch Frank Buchmans Idee der "Moralischen Wiederaufrüstung" (engl.: Moral re-armament) die er in zugespitzter Form vertrat, sah in einer von der Regierung unterstützten Neuerweckung der christlichen Religion anstelle des "New Deals" eine Lösung für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme der USA. Als Ziel schwebte ihm ein Elite-Fundamentalismus vor, bei dem die Gesellschaft durch in Gebetszellen organisierte "gott-geführte" Männer kontrolliert wird, die nicht demokratisch die Massen konsultieren würden, sondern durch Jesus, so wie er sich ihnen offenbart, geleitet werden. Dieser Elite-Fundamentalismus beinhaltete einen biblisch begründeten Glauben an den freien Markt und den Kapitalismus, der darauf ausgerichtet war, besonders führende, antikommunistisch gesinnte und gewerkschaftsfeindliche Personen aus der Geschäftswelt anzusprechen.

Nach dem 2.WeltkriegBearbeiten

Innenpolitisches Anliegen der Organisation ist es, die USA als ein christliches Land zu etablieren, das auf der Basis christlicher Prinzipien regiert wird. Dieses Ziel fand nach dem zweiten Weltkrieg zum Beispiel dadurch seinen Ausdruck, dass 1954 auf Initiative des republikanischen Senators Homer Ferguson und Clement Stone, beide Mitglieder von The Family, die Phrase "Under God" in den Pledge of Allegiance eingefügt wurde. Auf Intitiative der zum inneren Zirkel von The Family gehörenden Clement Stone und des Kongressabgeordneten Charles E. Bennet wurde die Aufschrift "In God We Trust" auf der US-Währung eingeführt. Ein im Jahr 1954 vom republikanischen Senator R.E.Flanders, der ebenfalls Mitglied des Netzwerks war, eingebrachter Verfassungszusatz "This nation devoutly recognizes the authority and law of Jesus Christ." (deutsch in etwa: "Diese Nation anerkennt andächtig die Authorität und das Gesetz von Jesus Christus") mit dem Ziel die USA offiziell als ein christliches Land zu etablieren, konnte sich jedoch im US-Kongress nicht durchsetzen.

Als ein für die weitere Entwicklung bedeutender Erfolg gilt, dass es Abram Vereide in Zusammenarbeit mit Billy Graham gelang, nach Eisenhowers Inauguration das Presidential Prayer Breakfast (später National Prayer Breakfast) zu etablieren. Eisenhower hatte ursprünglich abgelehnt, dort zu erscheinen, da er wegen der Trennung von Kirche und Staat keinen Präzedenzfall schaffen wollte, willigte aber schließlich doch ein dort aufzutreten, solange keine TV und Radio erscheinen würde. Grund für dieses Zugeständnis war, dass Eisenhower der erste republikanische Präsident war, der bei seiner Wahl auf die Hilfe der Bewegung der Evangelikalen, geführt durch Billy Graham, und den von Adam Vereide verkörperten Elite-Fundamentalismus angewiesen war; dies um so mehr als Eisenhower zum Zeitpunkt seiner Kandidatur selbst keiner Kirche angehörte und deshalb in diesem Punkt angreifbar war. Neben der Etablierung eines religiösen Rituals im politischen Bereich war die Etablierung des National Prayer Breakfast vor allem deswegen für The Family von Vorteil, da sie durch die Organisation des Prayer-Breakfasts Zugang zu hochrangigen nationalen wie internationalen Persönlichkeiten erlangte, was besonders bei der Internationalisierung des Netzwerkes und der Rolle, welche The Family im Kalten Krieg spielte von immenser Bedeutung sein sollte.

Beginnend nach dem 2. Weltkrieg hatte sich The Family internationalisiert und spielte wegen der antikommunistischen Ausrichtung eine wichtige Rolle während des Kalten Krieges. Diese Internationalisierung begann 1946 mit einer Reise A. Vereides nach Europa, wo er in dem Kirchenmann Otto Fricke eine Schlüsselperson für den Ableger des Netzwerks in Deutschland fand. Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus vieler Mitglieder des "Christen in Verantwortung" genannten deutschen Ablegers waren kein Hinderungsgrund für ihre Aufnahme; A.Vereide war im Gegenteil kritisch gegenüber den Opfern und ausgesprochenen Gegnern des Nationalsozialismus und beschwerte sich, dass solche in seinen Augen "atheistic devotees" (deutsch etwa "atheistisch Motivierten") von der amerikanischen Militär-Regierung in wichtige Positionen befördert wurden. Auf der Suche nach zuverlässigen Leuten, die bereit waren ihre Gefolgschaft von Hitler zu Christus und Amerika zu übertragen, besuchte er stattdessen alliierte Gefängnisse. Otto Fricke selbst hatte hatte als nationalsozialistisch Begeisterter die Feuerrede bei der Frankfurter Bücherverbrennung gehalten, wechselte aber nach dem Sportpalastskandal von den regimefreundlichen Deutschen Christen zur Bekennenden Kirche, wo er weiterhin in Opposition zum NS-Regime stand. Eine weitere zentrale Figur des deutschen Netzwerks, Manfred Zapp, war von 1938 - 1941 als überseeischer Gestapo-Mann in den USA abkommandiert und dort letztlich wegen Spionage und der Beschuldigung der Planung und Durchführung von Sabotageakten verhaftet worden. Zusammen mit anderen Spionen, etwa Ulrich von Gienanth, als deutscher Diplomat getarnter SS-Mann in den USA, der praktisch als Leiter der Gestapo in Amerika agierte und später ebenfalls Mitglied von Christen in Verantwortung wurde, wurde Zapp 1941 gegen zwei von der Gestapo in Deutschland verhaftete US-Reporter ausgetauscht. Der Vizepräsident von Christen in Verantwortung, Hermann Josef Abs, war wichtigster Bankier unter dem nationalsozialistischem Regime, nahm später in der Bundesrepublik als Vorstandssprecher der Deutschen Bank eine zentrale Position in der Finanzwirtschaft ein. Andere belastete Mitglieder des Netzwerks waren zum Beispiel der Geistliche und Ehrenpräsident der deutschen YMCA Gustav-Adolf Gedat, der Chemiewaffenfabrikant Gustav Schmelz, der Nationalist Paul Rohrbach. Weitere Mitglieder waren Baron von der Ropp, Hans von Eichen, Rudolf Decker und Hans Speidel; letzterer einer der Mitverschwörer des Attentat vom 20. Juli 1944, welcher Hitlers rassistische Politik eine Ablenkung von seinen anderweitig guten Ideen hielt und später von 1957- 1963 Kommandeur der Nato Grundsteitkräfte war. Kontakte zum deutschen Netzwerk hatte auch Ernst von Weizsäcker. Abram Vereide nutzte seine Beziehungen zur Militär-Regierung und nach Washington um diesen Personen und weiteren als Kriegsverbrecher angeklagte christlichen Personen auf einer Liste, welche ihm aus diesen Kreisen überreicht wurde zu helfen. Zu den zahlreichen Personen, für die A.Vereide sich einsetzte gehören zum Beispiel der letzte SS-Kommandant der Konzentrationslager Oswald Pohl und Konstantin von Neurath, der erste Außenminister während der Herrschaft Hitlers. Beginnend 1949 veranstaltete das deutsche Netzwerk Versammlungen im Deutschordenschloss auf der Insel Mainau. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderen Vertreter der großen deutschen Banken, der Firmen Bosch, Krupp und Standard Oil sowie auch Kabinettsmitglieder der Bundesregierung.

Bei dieser Reise durch Europa startet A.Vereide auch eine Gebetszelle Schweizer Banker. Der Schweizer Alfred Hirs, Generaldirektor des 3. Departments der Schweizer Nationalbank und während des 2.Weltkriegs mitverantwortlich für die Goldankäufe der Schweizer Nationalbank bei der deutschen Reichsbank, war eine der wichtigsten europäischen Schlüsselfiguren des Netzwerks. Andere Schlüsselpersonen in Europa waren der ehemalige belgische Premier und Außenminister Pierre Harmel und der Franzose Edmond Michelet, unter De Gaulle in mehreren Ministerposten Mitglied der französischen Regierung. In Franco-Spanien bildeten die dortige US-Botschaft und die Niederlassung von Standard Oil Zentren des elitär-fundamentalistischen Netzwerks[7]

Gegenwart Bearbeiten

Homophobie Bearbeiten

Das Netzwerk wurde besonders 2009 im Zusammenhang mit einem geplanten Anti-Homosexuellen Gesetz in Uganda in der amerikanischen Öffentlichkeit kritisiert. Grund war, dass David Bahati, der Initiator des Gesetzes und Organisator des Uganda National Prayer Breakfast, dem ugandischen Gegenstück zum National Prayer Breakfast in den USA, als Mitglied des inneren Kreises von The Family gilt. Auch wurde der heutige ugandische Präsident Museveni bereits 1986 von dem Netzwerk als Schlüsselfigur für Afrika genannt.

Kampf gegen Schwangerschaftsabbrüche Bearbeiten

Kritik erregten auch die Politiker Bart Stupak, der in einer C-Street genannten Unterkunft des Netzwerks lebt und von dem Journalisten Jeff Sharlet zum Netzwerk zugeordnet wird, obwohl Stupak selbst dies bestritt[8], und das Family-Mitglied Joe Pitts als Initiatoren des sogenannten Stupak-Pitts Amendment, ein Zusatz zur heftig umstrittenen Gesetzes-Vorlage zur Gesundheitsreform, welcher die Möglichkeit Gelder des US-Bundesstaates für Schwangerschaftsabbrüche zu verwenden, stark einschränkt.[9]. Da nach dem Gesetz Versicherungspolicen von Niedriglohnbeziehern durch Gelder des US-Bundesstaates bezuschusst werden, würde der Zusatz, so Kritiker, bedeuten, dass Versicherungen Schwangerschaftsabbrüche nur noch limitiert finanzieren würden und die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches damit in der Praxis speziell für finanziell schlecht gestellte Frauen stark eingeschränkt wäre[10].

Literatur Bearbeiten

  • Grubb, Norman: Abraham Vereide - ein Wiking unserer Zeit. Konstanz 1964.
  • Sharlet, Jeff: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. New York: HarperCollins 2008, ISBN 978-0-06-055979-3

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