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In der Nacht zum 18. Oktober 1977 begingen die inhaftierten Anführer der linksextremistischen RAF Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim Selbstmord. Irmgard Möller scheiterte beim Selbstmordversuch.

Dieses Ereignis bildet mit der darauf folgenden Ermordung Hanns Martin Schleyers das Ende des Deutschen Herbstes.

Die Umstände dieses kollektiven Selbstmordes gaben anlass zu zahlreichen Spekulationen. Wie konnten etwa unbemerkt zwei Handfeuerwaffen in ein Hochsicherheitsgefängnis geschleust werden? Und wie kommt es das die Häftlinge in genau jener Nacht, in der die Landshut erstürmt wurde Selbstmord begingen, obwohl sie doch eigentlich keinen Kontakt nach außen haben sollten.

Insbesondere unter RAF-Sympathisanten kursiert die Theorie, das hinter dem Selbstmord in Wahrheit ein staatlicher Mord steckt.

Schon am 8. Mai 1976 soll sich Ulrike Meinhof in ihrer Zelle erhängt haben.

AblaufBearbeiten

VorgeschichteBearbeiten

1972 waren die Mitglieder der ersten Generation der RAF nach einer Anschlagsserie mit mehreren Todesopfern verhaftet worden. 1973 wurden sie in der JVA Stuttgart zusammengelegt und ein, wo sie im RAF-Trakt unterkamen.

WarenschmuggelBearbeiten

Nach dem Selbstmord von Ulrike Meinhof drängten die inhaftierten RAF Mitglieder den Anwalt Arndt Möller aus dem Büro Croissant dazu eine Kamera einzuschmuggeln, damit sie mit einem Bild des Fenstergitters beweisen konnten das Meinhof vom Staat ermordet wurde. Der RAF-Kurier Volker Speitel kam auf die Idee eine kleine Minox Kamera in einem präparierten Aktenordner zu verstecken. Peter-Jürgen Boock: "Man muss sich einen Aktenblock vorstellen, Papier, DIN A4, und in der Mitte diesen Spannbügel, wie ihn jeder Leitz-Ordner hat. Wenn man den aufmacht, kann man in den Papierblock rein einen bestimmten Hohlraum schneiden, der, wenn man das wieder schließt, beim Durchblättern nicht zu sehen ist."

Dieser Ordner wurden dann von den Anwälten durch die Eingangskontrolle des Prozesssaals geschleust. Durch den Spannbügel schlug der Metalldetektor immer aus. Wenn sich die Anwälte dann mit ihren Klienten unbeaufsichtigt trafen, tauschten sie die Ordner aus.

Nachdem diese Aktion mit der Minox geklappt hatte wurden auch bald weitere Gegenstände zu den RAF-Mitgliedern geschmuggelt: mehrere Kochplatten, ein Transistorradio der Marke Sanyo, diverse elektronische Kleinteile, drei Schusswaffen, 650 Gramm Sprengstoff und Zünder.

Erst nach dem Suizid sollen präparierte Akten sowie der in mehreren Mauerverstecken deponiert Sprengstoff gefunden worden sein. Es wird auch spekuliert das Baader ein Plattenspieler als versteck diente, als er in die Zelle 719 verlegt wurde.

ZellendurchsuchungBearbeiten

Als am 5. September Schleyer entführt wurde konnten die Gefangenen das Ereignis noch mit Fernsehen und Radio verfolgen. Erst um 20 Uhr, als die Tagesschau lief, wurden ihnen die Geräte abgenommen. Baader, Ensslin und Raspe wurden in andere Zellen verlegt. Zwei Beamte des LKA Stuttgart durchsuchten ihre Zellen.

RaspeBearbeiten

In Raspes Zelle wurde die durchsuchung durch Funktionsuntüchtige Beleuchtung erschwert. Raspe besaß einen Plattenspieler, Kabel, Elektrozubehör wozu ein Mikrofon gehörte und 550 Bücher. Außer einer Glühbirne zwischen Büchern wurde angeblich nichts verdächtiges gefunden.

BaaderBearbeiten

Auch in Baaders Zelle machte der Lichtmangel den Beamten zu schaffen, die sich mit einer Stehlampe behelfen mussten.

In Baader Zelle waren 974 Bücher und 75 Langspielplatten, eine Mundharmonika, eine Schreibmaschine Olivetti, ein Kasten Wasserfarben von Pelikan, zwei Sonnenbrillen, Haarspray, Lidschatten, zwei Pelzmäntel, ein Elektrowecker mit Batterien, einen Plattenspieler mit Verstärker und Lautsprecherboxen, zahlreiche Medikamentenröhrchen, Gewürze, Besteck, Teller.

Unter Baaders Bett wurde Werkzeug aller Art gefunden, etwa ein Schraubenzieher, Stecker, Kabel. Radio und Plattenspieler wurden der Anstaltsleitung mit der bitte auf genaue Prüfung übergeben.

EnsslinBearbeiten

In Ensslins Zelle befanden sich viele Lebensmittel wie Kakao, Haferflocken, Rosinen, Senf, Tabak "Samson", Zwieback. Dazu kam noch Waschmittel, Deo-Roller "Mum", Rasierapparat "Schick", Augenbrauenstift, Elektrokocher, Schreibmaschine, Tee-Ei, Parfümfläschchen, Plattenspieler, blaue Zahnbürste, Geige und Notenständer. Sie hatte 450 Bücher darunter "Die Maßnahme" und "Moby Dick".

Kommunikationsanlage im ZellentraktBearbeiten

Eine besondere Merkwürdigkeit stellt die selbstgebaute Kommunikationsanlage der Häftlinge dar, die die Häftlinge während der Kontaktsperre genutzt haben sollen. Die Gefangenen nutzten dabei ein Kabel, das bis 22 Uhr ein Radioprogramm in die einzelnen Zellen übertrug, sowie ein Schwachstromkabel für Rasierapparate, das nur zu bestimmten Uhrzeiten Strom führte. Mittels speziell umgebauten Lautsprechern, Verstärker und Plattenspieler konnten sie so über das Radio-Kabel untereinander in den Zellen 718 bis 726 des Traktes kommunizieren. Die Zellen 716 und 715 waren wegen des Treppenhauses mit einem sepperaten Radio-Kabel verbunden, um diese zu erreichen nutzte man das Schwachstromkabel, welches die Zellen 719, 718, 716 und 715 versorgte und sich so in 719 oder 718 mit dem Radio-Kabel verbinden ließ (vorausgesetzt ein Häftling war in einer der beiden Zellen).

Laut den offiziellen Angaben wollen die Behörden erst nach dem Selbstmord von der Kommunikationsanlage erfahren haben.

An dieser Darstellung bestehen Zweifel, so wurden nach den Zellendurchsuchungen angeblich nur ein Lautsprecher und zwei Verstärker von dem LKA-Sachverständigen Ingenieur Heinz Nobroth untersucht. Dieser gibt an, keine Manipulationen an den Geräten erkannt zu haben, obwohl diese selbst für einen Laien, etwa durch primitive Lötstellen, offensichtlich gewesen sein sollen.

Bereits 3 Jahre zuvor hatte es einen Fall gegeben in dem Gefangene in Stammheim das Radionetz zur Kommunikation genutzt und ein eigenes Radioprogramm eingespeist hatten. Als dies aufflog wurde das Radion-Netz nachts kurzgeschlossen und so unbrauchbar gemacht. Der Werkmeister Franz Halouska, der bei dem vorhergegangenen Fall dem Piratensendern das Handwerk gelegt hatte, klemmte im Sommer 1977 auf Wunsch der Gefangenen Irmgard Möller und mit Wissen der Anstaltsleitung das Netz des RAF-Traktes von dem Haussystem ab, wodurch man das Kabel wieder zur Kommunikation nutzen konnte.

AuffindenBearbeiten

Gegen 7.40 Uhr schloss Justizobersekretär Gerhard Stoll Raspes Zelle auf. Drei weitere Beamte waren anwesend. Raspe saß mit ausgestreckten Beinen auf seinem Bett, mit dem Rücken lehnte er an der Wand. Er blutete aus Mund, Nase und Ohren und einer Schusswunde in der rechten Schläfe. Auf der Matratze lag eine Waffe. Raspe atmete zwar noch und wurde in das Robert-Bosch-Krankenhaus gebracht, starb aber gegen 9.40 Uhr. Gegen 7.50 Uhr öffneten die Beamten Baaders Zelle. Er lag auf dem Rücken auf dem Boden in einer großen Blutlache und hatte eine Schusswunde im Genick. Baader war tot. 40 Zentimeter neben ihm lag eine Pistole. Gudrun Ensslin hatte sich mit einem Kabel am Fensterkreuz ihrer Zelle erhängt und wurde wenig später entdeckt. An dem gleichen Fenster hatte sich Ulrike Meinhof ein Jahr zuvor auf die gleiche Art das Leben genommen. Irmgard Möller wurde in einer Blutlache auf ihrem Bett aufgefunden. Sie lag gekrümmt auf ihrer Matratze und war bewusstlos. Sie hatte in der Herzgegend acht Stichverletzungen. Nach einer Notbehandlung vor Ort wurde sie ins Krankenhaus gebracht und überlebte.

SpekulationenBearbeiten

Suicide ActionBearbeiten

Unter Eingeweihten innerhalb der RAF sollen die Planungen zu dem unter dem Begriff Suicide Action bekannt gewesen sein. Ziel sei es gewesen die BRD durch eine scheinbare Hinrichtung von Strafgefangenen als Unrechtsstaat zu brandmarken und die Terroristen so zu Freiheitskämpfern zu stilisieren.

Bereits zuvor stellten die RAF-Gefangen ihre Haftbedingungen als "Isolationsfolter" dar, und äußerten den Vorwurf das es sich beim Selbstmord von Meinhof um einen staatlichen Mord gehandelt habe.

Baaders GenickschussBearbeiten

Andreas Baader soll sich durch einen Genickschuss getöteten haben. Dies an sich ist noch nichts merkwürdiges, wenn man davon ausgeht, dass der Eindruck einer Hinrichtung durchaus gewollt war, problematisch wird es erst wenn man das Ergebnis BKA-Gutachter zu den Schmauchspuren und der daraus geschlussfolgerten Entfernung der Waffe einbezieht, laut diesem soll der Schuss nämlich aus 30 bis 40 Zentimeter Entfernung abgegeben worden sein

siehe auchBearbeiten

Peter Urbach
Geiselnahme von Stockholm
Flugzeugentführung der Landshut
Geiselnahme von München
Siegfried Buback
Jürgen Ponto
Hanns Martin Schleyer
Alfred Herrhausen
Detlev Karsten Rohwedder
Das RAF-Phantom
Celler Loch
Olof Palme

WeblinksBearbeiten

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