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Uwe Barschel

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Uwe Barschel (* 13. Mai 1944 in Glienicke; † 11. Oktober 1987 in Genf) war ein deutscher CDU-Politiker und von 1982 bis 1987 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein. 1987 wurde er in die Barschel-Pfeiffer-Affäre verwickelt, in der er mutmaßlich eine Verleumdungskampagne gegen seinen SPD-Konkurrenten Björn Engholm in Auftrag gegeben hatte. Am 11. Oktober 1987, nur einen Monat nach Bekanntwerden der Affäre, wurde Barschel tot in einer Badewanne des Genfer Hotels "Beau Rivage" aufgefunden.

BiographieBearbeiten

Nach dem Abitur in Geesthacht begann Barschel 1964 ein Studium der Rechtswissenschaften, Volkswirtschaftslehre, Politologie und Pädagogik in Kiel, das er 1968 mit dem ersten und 1971 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Schon 1970 erfolgte die Promotion zum Dr. jur. und 1971 die Promotion zum Dr. phil. Seit 1971 war er als Rechtsanwalt zugelassen.

Seit 1962 war Barschel Mitglied der CDU, seit 1971 war er Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein. Am 1. Januar 1979 wurde er unter Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg Finanzminister, am 1. Juli 1979 Innenminister.

Als Gerhard Stoltenberg am 4. Oktober 1982 Bundesfinanzminister wurde, übernahm Barschel ab dem 14. Oktober 1982 das Amt des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein.

Am 31. Mai 1987, mitten im Landtagswahlkampf, überlebte Barschel als Einziger einen Flugzeugabsturz bei Lübeck nur knapp. Schon vor dem Wahltermin, dem 13. September 1987, wurde bekannt, dass "Der Spiegel" in seiner am Montag nach der Wahl erscheinenden Ausgabe berichten werde, dass Barschel eine Verleumdungskampagne gegen seinen Herausforderer Björn Engholm initiiert habe. Diese wird heute auch als Barschel-Affäre bezeichnet (siehe unten).

Die CDU verlor bei dieser Wahl ihre absolute Mehrheit und wurde mit 42,6 % der Stimmen nur noch zweitstärkste Kraft hinter der SPD, die 45,2 % der Stimmen erzielen konnte.

Wegen der ungeklärten Affäre und wegen eines Patts im Landtag (CDU, FDP contra SPD, SSW) gestalteten sich die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP äußerst schwierig. Barschel trat daraufhin am 2. Oktober 1987 als Ministerpräsident zurück. Die Landesregierung wurde daraufhin kommissarisch von seinem bisherigen Stellvertreter Henning Schwarz geleitet.

Am 11. Oktober 1987 wurde Uwe Barschel von zwei Stern-Reportern tot im Hotel "Beau Rivage" in Genf aufgefunden, wobei die Hintergründe bis heute im Dunkeln liegen und bis heute strittig ist, ob es sich um Mord, Suizid oder einen Unfall handelte.

Barschel-Pfeiffer-AffäreBearbeiten

Pfeiffers WahlkampftricksBearbeiten

Am 13. September 1987, einen Tag vor der Wahl, wurde bekannt dass Der Spiegel am Montag nach der Wahl einen Bericht über die Verleumdungskampagne gegen Barschels Konkurrenten Björn Engholm veröffentlichen wollte. Als Quelle hierfür diente dem Spiegel Barschels Medienreferent Reiner Pfeiffer, der selbst schon wegen Verleumdung vorbestraft war.

Laut Pfeiffers Aussage habe Barschel ihn damit beauftragt Björn Engholm zu bespitzeln um so belastendes Material gegen ihn zu finden. Pfeiffer sollte zudem eine anonyme Anzeige wegen Steuerhinterziehung gegen Björn Engholm gemacht haben und sollte ein Telefonabhörgerät beschaffen und in Barschels Telefon installieren, damit man dies der SPD in die Schuhe schieben könnte.

Am 18. September 1987 dementierte Barschel die Vorwürfe: "Über diese Ihnen gleich vorzulegenden eidesstattlichen Versicherungen hinaus gebe ich Ihnen, gebe ich den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Schleswig-Holsteins und der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort, ich wiederhole: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind."

Die Koalitionsverhandlungen waren von dem Skandal überschattet. Die FDP gab an, mit der CDU, nicht aber mit Barschel, zu verhandeln. Barschel trat daraufhin am 2. Oktober vom Amt des Ministerpräsidenten zurück. 9 Tage später, am 11. Oktober, wurde Barschel nach einem Flucht-Urlaub auf Gran Canaria tot in Genf aufgefunden.

Der Todesfall Bearbeiten

Am 11. Oktober fanden zwei Stern-Reporter den mit Medikamenten vergifteten Uwe Barschel tot in der Badewanne des Hotels "Beau Rivage" (Zimmer 317) auf. Sie verständigten aber erst zwei Stunden nach dem Auffinden die Polizei. Auch gab es bei der Obduktion und Ermittlung der Schweizer Behörden diverse Pannen.

Angeblich wollte Barschel sich mit dem Agenten Roloff zu treffen, um Beweis eines Komplotts gegen Barschel aufzudecken. Vorher soll es ein Treffen zwischen ihm und Adnan Kashoggi, einem CIA/Mossad-Partner, Großwaffenhändler und Bekannten Shimon Peres' gegeben haben.

Die Ermittlungen verliefen im Sande, man konnte nicht widerlegen dass es sich um einen Selbstmord handelte noch um einen Mord, auch wenn einige Indizien für letzteres sprachen, z.B. ein Schuhabdruck der nicht zugeordnet werden konnte.

1995 versuchte Barschels Familie mit der Lübecker Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen gegen Unbekannt zu starten, wobei die Ermittlungen vor allem auf Spuren ausgerichtet wurde die zu dem MfS oder einem anderem Geheimdienst führten. Diese Ermittlungen wurden 1998 ergebnislos auf Weisung der Generalstaatsanwaltschaft von Schleswig eingestellt, Oberstaatsanwalt Heinrich Wille schloss einen Mord aber nicht aus.

Kurz vor Abschluss seiner Arbeit  starb der Schweizer Detektiv, welcher von der Familie Barschels eingesetzt wurde, an einem Herzinfarkt. Dessen Akten wurden weder der Öffentlichkeit noch der deutschen Staatsanwaltschaft übermittelt.

Auffinden durch Stern-ReporterBearbeiten

Der Stern-Redakteur kannte - woher ist unbekannt - Ort und Zeit der Ankunft Barschels in Genf. Es war auch bekannt dass Barschel um 14:45 einen Flug nach Deutschland gebucht hatte.

Seit 6 Uhr hatten der Stern-Reporter Sebastian Knauer und der Fotograf Hanns-Jörg Anders im Frühstückssaal auf Barschel gewartet. Knauer sei während dieser Zeit mehrmals zum Zimmer 317 gegen und habe geklopft.

Das wechselnde TürschildBearbeiten

Bereits um 9 Uhr am 11. Oktober stand der Reporter Sebastian Knauer vor der Tür von Zimmer 317 im Beau-Rivage, dabei hing an der Tür das rote "Bitte nicht stören"-Schild. Anders empfahl Knauer das Schild zu wenden, damit das Personal in das Zimmer gehe und so festzustellen sei, ob Barschel überhaupt da war, Knauer sei laut Anders daraufhin zum Zimmer gegangen um das Schild zu wenden. Knauer selbst meint, dass er das Schild womöglich aus Versehen gewendet hat.

Kurz vor 11 sah das Zimmermädchen Anne-Marie Esteves, dass das Schild mit der grünen "Bitte Zimmer aufräumen"-Seite an der Tür hängt, beschloss aber es erst später aufzuräumen. Der Zimmerkellner Ludovic Erba betritt kurz nach 11 das Zimmer um die Minibar aufzufüllen, das Zimmerschild sei zu dieser Zeit grün gewesen.

Als das Zimmermädchen Esteves nach ihrer Mittagspause um 11:30 das Zimmer aufräumen wollte, war das Schild wieder auf die rote Seite gedreht.

Zwölf Uhr: Eintritt ins ZimmerBearbeiten

Als man gegen 12 Uhr im Zimmer anrief und niemand abnahm, machte man sich direkt auf den Weg.

Nach dem Anruf betrat Knauer durch eine unverschlossene Tür das Zimmer 317 und rief laut, ob jemand da sei. Er sah Barschels rechten Schuh im Flur liegen und fand neben einem unberührten Bett einen auf sieben Seiten beschrifteten Notizblock, auf dem stand: "Treffen mit R.R. hat geklappt" und "Ich bin sicher, daß er kommt mit dem Bild".

Knauer verließ den Raum und holt Anders aus der Lobby. Da sich Anders weigerte ein fremdes Hotelzimmer zu betreten, holte Knauer den Notizblock und sie fotografierten ihn unter einer Lampe im Flur ab.

Um 12:30 ging Knauer zurück ins Zimmer um die Notizen wieder an ihren Platz zu legen und blieb nach Aussage Anders dabei ungewöhlich lange im Zimmer. Letzterer ging, nachdem der Sicherheitsmann eines Diamantenhändlers auf ihn aufmerksam geworden war, zurück in die Lobby.

Kurze Zeit später soll Knauer aufgelöst in die Lobby gekommen sein und berichtet haben dass Barschel tot in der Badewanne lag. Daraufhin gab ihm Anders eine Kamera der Marke Nikon und Knauer fotografiert das Zimmer und den in der Badewanne liegenden Barschel. Die Uhr auf Barschels Arm zeigte genau 12:45.

Danach ging Knauer und Anders vor die Tür des Hotels um Luft zu schnappen und sich zu beraten. Man rief den Chefredakteur Heiner Bremer an.

13 Uhr: Benachrichtigung des HotelpersonalsBearbeiten

Kurz vor 13 Uhr wurde der Hotel-Portier über das Auffinden einer Leiche in Zimmer 317 informiert. Dieser versuchte zunächst den Hotel-Besitzer zu informieren und rief danach die Polizei an.

ZweifelBearbeiten

Es fand keine Überprüfung statt, was genau der Reporter so lange im Hotelzimmer gemacht hatte, und die Rekonstruktion basierte großteils auf dessen Aussagen. Eine Spurensicherung fand nur sehr eingeschränkt statt.

Da die Presse scheinbar in den Skandal verwickelt zu sein schien (Der Spiegel brachte Barschel-Pfeiffer-Affäre und Der Stern sorgte für die vermeintliche "Aufklärung" des Selbstmord/Mordfalles) wird ihr in diesem Fall oft wenig Glauben geschenkt.

Der "Medikamenten-Cocktail"Bearbeiten

Barschel soll während seiner Karriere als Politiker schwer medikamentenabhängig, etwa von Tavor("Lorazepam n-mg"), geworden sein.

In Kombination mit anderen Medikamenten, welches ebenfalls in Barschels Blut gefunden wurde, soll dessen Wirkung erheblich verstärkt werden. Die Folgen, die eine weitere Kombination mit Alkohol (z.B. Rotwein) hat sind nicht absehbar.

Laut einigen Quellen waren nicht mehr alle Medikamente, die man in Barschels Blut fand, im Handel erhältlich.

BND-VerdachtBearbeiten

Ein Verdacht fiel auf den BND, als bekannt wurde dass dieser zur Zeit des Todes von Barschel einen Agenten im selben Hotel hatte. Der bekannte Agent Werner Mauß gab selbst zu, in der entsprechenden Nacht im Hotel "Beau Rivage" auf der Rückreise aus Südamerika gewesen zu sein, doch erfuhr er laut Eigenaussage erst am nächsten Tag von dem Mord.

Verbindungen zum MfS?Bearbeiten

Barschel war ein- bis dreimal in Kavelsdorf, einem Umschlaglager des MfS für Waffen, und achtmal in diversen Biotopen der DDR gewesen. Einmal machte er eine vierwöchige Kur in Marienbad (Tschechoslowakei).

Victor Ostrovskys Mossad-TheseBearbeiten

Victor Ostrovsky, ein im kanadischen Exil lebender ehemaliger Agent des Mossad, stellte die Behauptung auf, dass Barschel im Rahmen einer geheimdienstlichen Operation getötet worden wäre.

Laut Ostrovsky wickelte der Mossad in den 80er-Jahren Waffengeschäfte mit dem Iran ab (vgl. Iran-Contra-Affäre). Diese Waffengeschäfte liefen über Deutschland (mit Unterstützung des BND) und Dänemark ab, als es aber zu Problemen an dänischen Häfen kam wurden die Transportwege nach Schleswig-Holstein verlagert und Uwe Barschel eingeweiht. Barschel lehnte dies ab, worauf man versuchte seine nächste Amtzeit als Ministerpräsident mit der inszenierten Barschel-Pfeiffer-Affäre zu verhindern. Dieser Versuch hatte Erfolg, doch Barschel drohte nun damit an die Öffentlichkeit zu gehen, was man mit seinem Mord verhinderte.

Laut Ostovsky wurden 5 tödliche Medikamente mittels einer Magensonde in Barschels Körper eingeführt.

Interessant in dem Zusammenhang ist das Ostrovsky auch über Flugsimulatoren in Schleswig-Holstein schreibt. In den Flugsimulatoren sollen der Mossad Piloten ausgebildet haben. Da ist der Weg zu Mohammed Atta und den Anschlägen vom 11.September nicht mehr weit.

SchubladenaffäreBearbeiten

Eine der politischen Spätfolgen der Barschel-Affäre war die so genannte Schubladenaffäre.

1993 wurde bekannt, dass der schleswig-holsteinischen Sozialminister Günther Jansen (SPD) etwa 40000 Mark in zwei Raten an Reiner Pfeiffer, denjenigen der auch belastend gegen Barschel ausgesagt hatte, gezahlt hatte. CDU-Politiker witterten sofort ein Komplott der SPD, doch Jansen bestritt dass das Geld eine Bezahlung für die Aussage Pfeiffers war.

Pfeiffer hatte nach der Barschel-Affäre bei keiner Zeitung mehr eine Anstellung gefunden. Laut Jansens Aussage hatte er das Geld von verschiedenen Politikern als Unterstützung für den so finanziell geschwächten Pfeiffer gesammelt, es in seiner Schublade aufbewahrt und es Pfeiffer in Briefumschlägen übergeben.

Jansens Aussage entstand unter dem Eindruck, dass Pfeiffers Lebensgefährtin die Zahlungen in einem Sterninterview bekannt machte.

Die CDU trieb die Einsetzung eine Untersuchungsausschusses voran, der Pfeiffers Aussage nicht widerlegen konnte, allerdings stellte sich heraus dass die Spitze der schleswig-holsteinischen SPD schon vor der Landtagswahl wusste dass Björn Engholm bespitzelt wurde und schon über Gegenmaßnahmen beriet. Dies widersprach der Aussage, die diese vor dem Untersuchungsausschusses zur Barschel-Affäre gemacht hatten und führte so zum Rücktritt Björn Engholms vom Posten des Ministerpräsidenten und seiner Ämter bei der SPD.

ZitatBearbeiten

Mathias Bröckers: "Das Barschel-Rätsel ist nicht nur 'Waterkantgate', sondern auch das JFK-Attentat im Deutschland-Format."

WeblinksBearbeiten

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