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Das Zentrum für Experimentelle GesellschaftsGestaltung (ZEGG) ist eine Lebensgemeinschaft von etwa 80 Menschen, die in Belzig, 80 km südwestlich von Berlin auf einem 15 ha großen Gelände leben, das 1991 für 2,1 Millionen DM von der Treuhand erworben wurde. Zu DDR-Zeiten gehörte das Gelände der Schule der HVA, an der das MfS bis 1988 ihre West-Spione und deren Führungsoffiziere ausbildete.

Die Idee des ZEGG basiert in ihren Wurzeln auf den Arbeiten von Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels, die seit 1995 das Projekt „Tamera“ in Portugal aufbauen. Duhm wurde in den 1970er Jahren unter anderem von der Aktionsanalytischen Organisation (AAO) des Wiener Künstlers Otto Muehl inspiriert, von der neben gewissen Grundgedanken einige Techniken der "Selbstdarstellung vor der Gruppe" übernommen und erweitert wurden.

(Andreas Schlothauer: Die Diktatur der freien Sexualität. AAO, Mühl-Kommune, Friedrichshof; Wien: Verlag für Gesellschaftskritik, 1992; ISBN 3851151577, Seite 63:

„Die linken Intellektuellen in der AAO erhielten mehr Freiraum, um ihre Ideen zu entwickeln. Dieter Duhm und Aike Blechschmidt entwarfen gemeinsam das Konzept eines ‚Zentrums für experimentelle Gesellschafts-Gestaltung (ZEGG)‘. Die wichtigsten Ziele waren:
1. Verbindung AAO mit internationaler Alternativbewegung […]“

So zitiert das Autorenkollektiv Die rosaroten PantherInnen in ZEGG-SISMUS – Irdische Informationen zu einem kosmischen Projekt, Dieter Duhm folgendermaßen: „Die Bauhütte ist bis jetzt eine komprimierte Idee, um die sich ein paar Leute geschart haben … Ich will gleich sagen, womit diese Idee hauptsächlich zu tun hat: mit der ehemaligen AAO, von deren Konzepten der Selbstdarstellung, der freien Sexualität und der kommunitären Lebensweise wir uns befruchten lassen … Unser bescheidenes Ziel ist der Aufbau einer funktionierenden Alternativgemeinde von mehreren hundert Personen … Wir nennen dieses Traumziel ‚ZEGG‘: Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung.“ (c/o ASTA der FU Berlin, Kiebitzweg 23, 14195 Berlin 1995, ISBN)

Er lehnte nach seinen späteren Aussagen aber dessen autoritären Führungsstil ab. Wie stark die fragwürdigen Strukturen der AAO das ZEGG beeinflusst haben könnten, ist zwischen Anhängern und Kritikern des ZEGG umstritten. (Die rosaroten PantherInnen (erreichbar über: AG Sekten c/o ASTA der FU Berlin): ZEGG-SISMUS – Irdische Informationen zu einem kosmischen Projekt, FU Berlin 1995)

Muehls Methode der so genannten „Selbstdarstellung“ als existenzieller Bühne des Einzelnen in der Gemeinschaft wurde zum „Forum“ abgewandelt und weiterentwickelt. Das Konzept der „freien Liebe“ wurde um ökologische Utopien und spirituelle Gedanken erweitert. So kommt es, dass ZEGG-Bewohner und -Besucher einerseits an indianischen Schwitzhüttenritualen teilnehmen oder Formen der freien Liebe praktizieren, sich andererseits aber aktiv mit den Folgen der Globalisierung auseinandersetzen und sich beispielsweise gegen die geplante Privatisierung der Wasserwirtschaft in der Region einsetzen.

Das ZEGG ist Mitglied bei attac und im Global Ecovillage Network und versteht sich als ein Mitglied der weltweiten alternativen und ökologischen Gemeinschaftsbewegung, deren Ziel in der Entwicklung lebenswerter Alternativen zur Konsumgesellschaft besteht.

Die Mitglieder des ZEGG sagen von sich selbst: „Unser Ziel ist es, persönliche Entwicklung, den Aufbau von neuen Formen des Zusammenlebens und politisches Engagement so zusammenzubringen, dass daraus die Vision für eine andere, humane Welt wachsen kann. Ein anderes Leben ist möglich.“

Das ZEGG finanziert sich größtenteils durch Seminarveranstaltungen, Camps mit politischem und kulturellem Programm mit mehreren hundert Teilnehmern sowie durch Spenden, Darlehen und Mieteinnahmen.

Neben der Vordenker-Rolle von Lichtenfels und Duhm fällt die Verwendung von Psychodrama-ähnlichen Kommunikationsformen zwischen dem Einzelnen und der Gruppe (Forum) auf. Die vereinzelt erhobene Behauptung, die Forums-Methode des ZEGG, die zu erheblichen Stresszuständen führen kann, habe bei manchen Menschen zu einer Psychose geführt, ist nicht belegt.

Ein vor allem von linker Seite aufgrund des Auftretens von Referenten wie Ernest Bornemann behauptetes heteronormes Geschlechterbild werde vom ZEGG nicht vertreten. Obwohl der Eindruck in den Publikationen und Vorträgen auf Tagungen entstehen könne, dass Homosexuelle oder gar Transgender im Diskurs des ZEGG nicht vorkämen, werden dort auch gleichgeschlechtliche Beziehungen gelebt. Ein 1997 publizierter Bericht von Eva Stützel beschrieb dagegen, dass ihrer subjektiven Wahrnehmung nach 1993 Homosexualität verpönt gewesen sei

Eva Stützel schrieb in Das ZEGG und wir (erschienen in: Okodorf-Rundbrief Nr. 28, Dezember 1993 (!)): „Eva Stützel vom ‚Ökodorf‘ aus Sachsen-Anhalt kritisierte nach einem Wochenende im ZEGG die Energieverschwendung durch ‚hemmungsloses Heizen‘, ‚Festbeleuchtung‘ und ‚starke Auto-Orientierung‘ — ‚nicht gerade das, was ich unter ‚anders leben‘ verstehe‘. Homosexualität sei dort verpönt, die ‚freie Liebe‘ offenbar nur etwas für Heterosexuelle. ‚Schwul ist im ZEGG auch immer noch ein Schimpfwort.‘ Vor allem aber stießen sie die ‚autoritären und direktiven‘ Methoden der Seminarleiter beim ‚Forum‘ ab. In den vielen Spielchen, in denen es um Gehorsam gehe (‚Herr und Sklaven‘), würden die Menschen bloßgestellt, erniedrigt und durch Gruppendruck zum Gehorchen gezwungen. ‚Mir wurde richtig übel‘, schreibt Stützel. Einen sensiblen Umgang mit Macht konnte die Ökologin nicht entdecken, ‚eher das Gegenteil‘.“ Zitiert nach: Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck: Psycho-Sekten. Die Praktiken der Seelenfänger; Ch. Links Verlag, 1997; ISBN3-86153-135-6, S. 201

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